Beitar Jerusalem – Maccabi Haifa 3:2 (2:2) (Teddy-Kollek-Stadion, Meisterschaftsrunde)

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(Klobasaköter) Das Ausgraben dieser Partie war wie immer mit einem lauten Freudenschrei verbunden. Länderpunkt Israel und das auch noch am ersten Tag unserer Tour. Und Beitar stand eh ganz oben auf unserer Liste. Vorsichtig optimistisch hieß es also, unser erstes Hostel in Tel Aviv stornieren und statt Eingewöhnungsnacht am Strand nach Jerusalem zu verlegen. Theoretisch sollten vier Stunden Zeitpuffer vom Flughafen bis zum Stadion ja reichen…

Aber da hatte ich ja noch keine Ahnung, dass wir als mutmaßliche Terroristen ins Heilige Land einreisen würden. Nach dem paranoiden Special-Treatment in Berlin schien eine zweite oder gar dritte Interview-Runde jetzt plötzlich unvermeidbar. Innerlich trennte ich mich schon von der Partie Beitar versus Haifa.

Doch wir hatten Glück. Nochmal wollte keiner den Welpen zu seinen verdächtigen Kontakten nach Palästina befragen und wir fanden uns mehr als rechtzeitig auf dem Weg nach Jerusalem. Unser Wunsch, direkt am Stadion abgesetzt zu werden, erheiterte immerhin die Busfahrer. Und welcher Hopper kennt sie nicht, die ungläubigen Blicke, wenn sich die Kids aus dem Land des Weltmeisters für die kleinen und sportlich weniger attraktiven Ligen interessieren? Da entschuldigt sich der Einheimische doch gleich mal vorsorglich für das niedrige Spielniveau. Als würde das wen interessieren… „Je rumpeliger, desto besser“, lautet ja die allgemeine Köter-Devise.

Wenige Minuten später fluchte der Taxifahrer auch schon über unser bizarres Ziel. Just in dem Moment nämlich, als wir im Anreiseverkehr für das Montagabendspiel strandeten. Wir also mit unserem ganzen Gepäck raus und den Taximann seinem Schicksal überlassen.

Ein überteuertes Hotdog später irrten wir auch schon von Gate zu Gate, um den Presseeingang zu beehren.

Auf unsere offizielle Akkreditierungsanfrage hatte Beitar zwar nie geantwortet, aber wir dachten, wir probieren es einfach noch einmal ganz naiv, man weiß ja nie. Sehr erfolgreich war unser Bluffversuch aber nicht. Die Isrealis sind Meister im Ignorieren. Also hieß es schließlich doch, eine normale Karte kaufen und mit unserem ganzen Gerödel rein ins gut gefüllte Teddy-Kollek-Stadion. Unsere Taschen und Kameras wurden übrigens weder moniert noch durchsucht. Ungewöhnlich für ein Land, das ja sonst die Paranoia förmlich zelebriert.

Die Beitar-Fans präsentierten sich schon vor Anpfiff in bester Laune. Die ersten Schlachtrufe wurden lautstark in den Nachthimmel geschmettert. Dazu eine schlichte Blockfahne plus Spruchband (auf dem wahrscheinlich etwas Pathetisches stand). Kein spektakuläres Intro, aber immerhin ein Intro.

Die Gäste aus Haifa waren ebenfalls zahlreich vertreten und überzeugten durchweg mit gutem, kreativem und emotionalem Tifo.

Die Tribüne der „La Familia“ von Beitar hatte das ganze Spiel über immer wieder sehr schöne Momente, vor allem wenn das ganze Stadion eingestimmt hat, aber leider auch lange Phasen der Ödnis.

Das Match selbst zählte definitiv zu der bei Hoppern äußerst beliebten Gattung der Kurzweiler.

So gingen die Hausherren in nur zehn Minuten bereits mit 2:0 in Führung. Totale Ekstase. Damit hatte offenbar keiner gerechnet.

Doch wie in jedem guten Drehbuch kämpften sich die Gäste wieder ran und Maccabi gelang noch in der ersten Hälfte der Ausgleich.

Während der Welpe die meiste Zeit brav das Spiel verfolgte, musste ich mich an meiner Kamera selbst verwirklichen. Ich knipste mich in meine eigene Ekstase. Wahrscheinlich ohne auch nur ein wirklich gescheites Foto dabei geschossen zu haben. Aber hey, follow the flow…

Noch vor der Pause dezimierte sich Maccabi bereitwillig selbst und Beitar gewann langsam wieder das Oberwasser. Dennoch wagten die Gäste immer wieder gefährliche Streifzüge in den Torraum der Schwarz-Gelben. Letztlich aber vergeblich. Vor dem Tor war Grün-Weiß schlicht zu harmlos.

Für die Fußballfreaks unter unseren abertausend Lesern wohl keine News, aber ohne ein paar Worte zu beiden Mannschaften geht es nun wirklich nicht. Nicht wenn Beitar Jerusalem involviert ist. Während Maccabi Haifa aus den internationalen Clubwettbewerben bekannt sein dürfte, machte Beitar bisher eher weniger durch sportliche Brillanz auf sich aufmerksam, als durch seine frenetischen Fans.

Dabei ist die Crowd in Jerusalem nicht nur für ihre Leidenschaft bekannt, sondern vor allem für seine radikalen politischen Positionen. Denn Araber dürfen nicht im Verein spielen. Schon seit Jahrzehnten. Der Versuch vor ein paar Jahren zwei tschetschenische Spieler aufzunehmen, endete in übertriebenen Protesten. Unter anderem wurde ein Banner mit dem Ausspruch: „Beitar – ewig rein“ im Teddy-Stadium präsentiert. Die Anhänger gelten nicht nur als extrem rassistisch, sie feiern sich auch noch selbst dafür. Sympathisch ist leider anders.

Zurück zum Spiel: In der Zweiten Hälfte gelang Beitar schließlich doch noch der erneute Führungstreffer und Maccabi war erledigt.

Die Stimmung am Ende des Spiels entsprechend ordentlich und mit Abpfiff gab es sogar noch ein paar Rennereien. Extra für die deutschen Hopping-Köter. Also bestes Entertainment beim Länderpunkt Israel.

Last but not least hieß es irgendwann irgendwie zurück in die City zu kommen. Hier und da rumgefragt, x Mal ratlos auf hebräische Schilder gestarrt, eine Weile beeindruckt zugeschaut, wie israelische Polizisten mit Pferd rabiat den Zugang zu überfüllten Bussen regulieren und schon saßen die Ramdom Köter in einen Random Bus in Richtung Random Ort in Jerusalem.

Random war aber richtig gut geraten und recht nahe des Jaffa-Gates nahmen sich ein paar nette Israelis unserer an und führten uns bereitwillig bis in die Altstadt vor die Tür unseres Hostels. Im Austausch für etwas Smalltalk.

Um Mitternacht ist Old Town Jerusalem übrigens wie ausgestorben. Ganz nice zum Spazieren gehen, aber weniger erquickend, wenn man mit knurrendem Magen noch irgendwie nach etwas zum Beißen sucht. So gegen zwei Uhr aber wurden wir streunenden Köter schließlich fündig. Ein paar Pitabrote, Hummus und Kaltgetränke fanden für viel zu viel Bares ihren Weg in unsere Einkaufstüten und schon genossen der Welpe und ich ein zünftiges Dinner. Garniert mit einem traumhaften Ausblick von der Dachterrasse unseres Hostels über das nächtliche Jerusalem samt Felsendomkuppe. Gegen 3 Uhr ging es letztlich in die Koje. Wohlverdient.

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