16.03.2016, Bethlehem

Bethlehem

(Klobasawelpe) Unser erster Tag in Bethlehem geht langsam zu Ende und nach einigem Stress haben wir endlich den Rest unserer vier Wochen hier verplant.

Los ging es heute Morgen nach einem typisch palästinensischen Frühstück (Pita, Hummus, Za’atar und Rührei) in Richtung Manger Square.

Leider beginnt es zu regnen und trotz mehrerer Versuche, den Regen im Guesthouse auszusitzen, will es nicht aufhören. Also müssen wir doch in den sauren Apfel beißen und auf geht’s in den Regen.

Der Weg in Richtung Manger Square ist ziemlich steil, aber dafür stimmt die Atmosphäre. Hier ist es viel weniger touristisch als auf dem Markt in Jerusalem. Ein Schuhmacher mit einer uralten Nähmaschine, alte Männer, die frisches Obst und Gemüse verkaufen und natürlich Kaffee und frischen Mais. Da ist es als Gourmet schon schwer, der Versuchung zu widerstehen und nicht alles Geld auf einmal für Lebensmittel auszugeben.

Am Manger Square angelangt geht es erst einmal in die Geburtskirche. Als die älteste Kirche der Welt hat sie schon einiges mitgemacht, nicht nur im finsteren Mittelalter während der Kreuzzüge. Um die Jahrtausendwende verschanzten sich zum Beispiel 200 Palästinenser in der Kirche, während sie von israelischen Soldaten belagert und beschossen wurde. Trotzdem hat die Kirche wider Erwarten standgehalten und wird jetzt das erste Mal in der Geschichte komplett renoviert.

Pech allerdings für uns, denn wir müssen auf den wunderbaren Dachstuhl verzichten und mit einem Gerüst vorlieb nehmen.

Trotzdem ist die Kirche wunderschön und interessant. Dass sie nicht überlaufen ist, kann man positiv oder negativ sehen. Einerseits ist es so für uns viel entspannter. Andererseits ist es irgendwie auch traurig und deprimierend, dass hier nicht derselbe Trubel herrscht, wie in anderen wichtigen Stätten der Christenheit wie Santiago und Rom.

Die Köter stärken sich mittags mit einem Falafelsandwich und einem Becher frisch gepressten Orangensaft.

Danach geht es weiter zur Milchgrotte. Angeblich hat sich hier die heilige Familie vor Herodes‘ Schergen versteckt und ein Tropfen von Marias Muttermilch hat die Steine der Kirche weiß gefärbt. Ob die Jungfrau Maria wirklich Muttermilch hatte und wie die amerikanischen Fundis, die hier um Fruchtbarkeit beten, die Darstellung der pornographische Darstellung der Jungfrau mit nackter Brust für sich rechtfertigen, bleibt umstritten.

Der Rückweg führt uns durch modernere Straßen, vorbei an Geschäften und Müllhalden. Sogar ein Paar echte random Köter begegnen uns.

Den Nachmittag verbringen wir im Auto. Leider ist das Kloster, dass wir uns ansehen wollten, geschlossen. Stattdessen bekommen wir einige gute Ausblicke auf die umliegende Hügellandschaft, Bethlehem und Beit Jala und Gilo, die Siedlung und die gut ausgebaute Straße, die dorthin führt. Übrigens dürfen solche Straßen von Palästinensern nicht benutzt werden. Woher wohl der Name Apartheidstreet kommt?

Den Abend lassen wir gemütlich bei Burgern und Pommes ausklingen. Neben uns sitzen junge Palästinenser in niedrigen Ledersesseln und rauchen Wasserpfeife, für die es sogar ein extra Menu gibt. Das nenne ich Stil.

Eine Antwort auf 16.03.2016, Bethlehem

  • Hab den Weg hierher gefunden und lese mit Spannung mit… und da packt mich auch direkt das Fernweh, ich war schon viel zu lange nicht mehr in diesem spannenden, verrückten, wunderschönen, krassen, manchmal unglaublich dämlich und dann doch wieder einfach packendem Land.

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