18.März 2016, The Fail Day

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(Klobasaköter) Das böse Foreshadowing für Freitag, den 18. März kündigte sich schon am Donnerstagabend an. Völlig entspannt wollte ich eigentlich nur unsere spontane Mietwagenreservierung für das Wochenende checken und musste mit großem Schrecken feststellen, dass sich ein kleiner aber ernster Datumsfehler eingeschlichen hatte. Der von uns erwählte Mietwagendiscounter hatte doch tatsächlich für das falsche Wochenende gebucht – ein Versagen meinerseits schließe ich da natürlich kategorisch aus.

Während also der Welpe am Donnerstag fleißig für ein höchst dekadentes Abendessen Fisch würzte, mühte ich mich ab, eine halbwegs brauchbare Lösung für den nächsten Tag zu finden. Leider hatte sich höhere Gewalt angesagt und in ganz Jerusalem ließ sich schlicht gar kein Mietwagen buchen. Grund war der sagenumwobene Jerusalem-Marathon. Kennt ja jeder, oder?

Einzige Chance dieses Wochenende sinnvoll zum Touren und Hoppen zu nutzen, war also ein Mietwagen ab Tel Aviv. Doch da mussten die räudigen Köter erstmal hinkommen.

Aber gut, wir lieben ja Herausforderungen und so ließen wir uns auf diesen zugegeben etwas umständlichen Stunt ein.

Dafür quälten wir uns sogar völlig artfremd um acht Uhr in der Früh aus dem Bettchen. Mit dem Chiller-Bus ging es dann über den Luxus-Checkpoint – an dem uns nur sehr lockere Kontrollen erwarteten – direkt zum Damalskustor, wo wir eigentlich mit Sammeltaxis weiter gen Mittelmeerküste wollten.

Richtig, die tragische Betonung liegt hier natürlich auf „wollten“, denn dank des großartigen Marathons war plötzlich die ganze Innenstadt lahmgelegt. Ein Rauskommen aus Jerusalem schien an diesem Freitag schlicht unmöglich. Die Taxifahrer rieben sich entsprechend freudig die Hände und beglückten uns mit unzähligen illusorischen Preisvorschlägen, um entweder zur Central Busstation auf die andere Seite der City oder gar nach Tel Aviv zu gelangen. Und ihre Argumente waren gut, denn es war ja immerhin Freitag und nach dem Marathon stand auch noch der Sabbath auf dem Programm. Und das heißt hier in Israel totaler Stillstand.

Da aber weder Köter noch Welpe mit Reichtümern gesegnet sind, blieb uns letztlich nur eine Möglichkeit:

Ein eigener kleiner Jerusalem-Marathon auf die andere Seite der Innenstadt zur Central Busstation. Einmal genau entgegen der Route der Läufer. Und das noch mit Gepäck und Bergauf. Köter und Welpe amüsierten sich… nicht. Dennoch absolvierten wir den Geländelauf bravourös und enterten tatsächlich eine ganze Weile später ziemlich verschwitzt und auf die letzte Sekunde den rettenden Bus nach Tel Aviv. Es mutete wie ein kleines Wunder an.

Für alle Nicht-Israel Profis wahrscheinlich kurios, aber hier rennt wirklich jeder mit einer Waffe rum. Allein in unseren Bus stiegen gleich vier oder fünf Leute mit Maschinengewehren ein. Da fühlt man sich doch gleich so viel sicherer.

In Tel Aviv ging es dann direkt in den nächsten Bus. Dann noch ein paar Häuserecken zu Fuß und schon standen wir vor unserer abgegammelten Mietwagenstation. Immerhin direkt am Strand.

Und noch so gerade rechtzeitig vor dem Schließen der Rollläden. Bevor in Israel für einen Tag das Licht ausgeht, saßen wir schließlich in unserer Schrottkiste mit Automatik und nahmen Kurs auf den Norden des Landes – feststellend, dass meine auffällig billig erworbene Navikarte scheinbar nur die 20 größten Orte Israels kennt und wir ohne Papierkarte und Oldschool-Navigieren hier aufgeschmissen wären.

Um kurz vor drei holte uns schließlich die Panik ein. Just in diesem Moment sollten die Geschäfte schließen und wir hatten bisher noch gar keine Gelegenheit auch nur irgendetwas einzukaufen. Wir hatten nicht einen Schluck Wasser dabei.

Auch der Reiseführer mahnte an, dass ab 15 Uhr weder Restaurants, noch Läden, noch Tankstellenshops geöffnet haben würden – panisch verließen wir also an der ersten Raststätte die überfüllte Autobahn und stolperten als letzte Kunden in einen leicht überteuerten Shop am Wegesrand, um unser Überleben für die nächsten 24 Stunden zu sichern. Viel Auswahl gab es allerdings nicht und unsere Ausbeute bestand aus drei Fertigsalaten, pappigem Brot und zwei Flaschen Wasser. Immerhin. Zur Sicherheit gaben wir außerdem noch dem sehr amerikanischen Burgerladen nebenan eine Chance und gönnten uns Burger mit Pommes. War sogar sehr lecker. Deutlich entspannter ging es schließlich zu unserem ersten großen Besichtigungspunk: Caesarea.

Genau, die Ausgrabungen in Caesarea. Die nur leider am Sabbath schon frühzeitig geschlossen hatten. Und so hieß es schon am ersten Ziel umdisponieren. Letztlich entschieden wir uns dafür Akko anzusteuern. Ein Stadtbummel sollte doch auch am Sabbath drin sein?

Vorbei am wunderschön gelegenen Haifa, der Mittelmeerküste und den Carmalhängen ging es weiter in die alte Kreuzfahrerstadt.

Dort erlebten wir immerhin mal einen der großen Vorzüge des Sabbath: Die Straßen sind wie ausgestorben und die Parkplätze alle gratis. Selbst in den Innenstädten.

Also konnten wir unser Köter-Gefährt direkt neben der historischen Altstadt abstellen.

Wie dicht dran war uns allerdings noch nicht klar und so rannten wir erstmal davon Richtung Promenade. Die absolut falsche Richtung.

Nach ca. 20 Minuten Fußmarsch begannen wir zum ersten Mal zu zweifeln, wo denn nun endlich die sagenumwobene Altstadt beginnt, aber statt Weltkulturerbe wurden die Siedlungen am Wegesrand immer übler. Irgendwann wagten wir uns schließlich zurück in die Stadt hinein, doch auch dort war nichts zu sehen von historischen Bauten, Kirchen, Stadtmauern und Moscheen. Stattdessen gab es Blöcke und einzelne geöffnete arabische Supermärkte. Supermärkte! Hatte der Reiseführer nicht behauptet, NICHTS, aber auch rein gar NICHTS habe am Sabbath in Israel geöffnet? Offensichtlich hat uns der Reiseführer angelogen und unser panischer Einkauf hat sich als vollkommen unnötige Geldausgabe entpuppt. Ebenso wie sich unsere Suche nach der Altstadt schließlich als vollkommen sinnlose Zeitverschwendung entpuppt hatte. Denn nach dem Hinzuziehen von einheimischen Meinungen stellte sich heraus, dass wir in die komplett falsche Richtung gelaufen waren. Eine russisch-jüdische Familie aber nahm sich unser an und führte uns in stoischer Ruhe zurück. Dabei gab es sogar noch Mandarinen gratis und diverse Beteuerungen wie toll doch Deutschland sei.

Rechtzeitig zum wunderschönen Sonnenuntergang standen wir bald wieder an der Promenade und erreichten die Stadtmauern der alten Kreuzfahrerstadt. Es folgte ein gemütlicher Stadtbummel durch die engen Gassen der Altstadt, in der das geschäftliche Treiben langsam in eine Wochenende-Party-Stimmung überging.

Dass ein zweistündiger Abendspaziergang dieser wundervollen Stadt allerdings nie und nimmer gerecht werden kann, wurde schnell klar.

Außerdem wurde klar, dass es bei begrenzter Zeit – und ja vier Wochen sind für Israel und Jordanien eine sehr begrenzte Zeit – keinen Sinn macht, sich nur vom Flow treiben zu lassen. Es geht einfach nicht, ohne sich Pläne zu machen und den Overload an touristischen Attraktionen besser zu koordinieren. Genau das wollten wir am Abend schließlich im spontan von unterwegs gebuchten Hostel in Haifa machen. Das war immerhin cool bewertet und Haifa stand eh für den nächsten Tag an. Aber als hätte dieser Freitag nicht schon genügend Fails für uns streunende Köter bereit gehalten, entpuppte sich auch das Port Inn als eher maue Nummer. Nicht nur, dass das versprochene WiFi nicht ging, ebenso wie die Rechter im Computerraum, es wurde auch noch um 22:45 Uhr der Aufenthaltsraum geschlossen. Das habe ich übrigens in vielen Jahren des Backpackings und Hostellebens noch nie erlebt. Die Rezeptionisten reagierte nur mit Schulterzucken: „Ihr könnt euch doch in euer Zimmer setzen.“ In dem übrigens offiziell sogar seit 22:00 Uhr Nachtruhe herrschte und seit bestimmt 18 Uhr unsere Mitbewohner zufrieden schnarchten.

Übrigens eine unabänderliche Konstante im Hostelleben: Ganz egal um wieviel Uhr du das Zimmer betrittst, es ist einfach IMMER schon wer vor dir da, der schläft. Ich glaube, ich konnte noch nie im Licht auspacken und mein Bett beziehen.

Der Welpe und ich machten also leise unsere Pläne auf dem Flur. Aber auch dort wurden wir von anderen Hostelgästen angefeindet. Kein Sprechen auf dem Flur! Warum nur buchen diese Leute sich kein Hotel? Oder verwenden Ohropax?

Als die Köter grummelnd den Weg ins Körbchen antraten, verkündete der Welpe, eine böse niederschmetternde Review zum Hostel schreiben zu wollen – da hat sich wohl ein verborgenes preußisches Gen in dieser dubiosen britisch-bayerischen Mischung durchgesetzt…

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