20.03.2016, Langsam schockt uns nichts mehr

 

Israelflagge

(Klobasaköter) Das Erlebnis Kibbutz wehrte nicht lange. Um Punkt acht klingelte der Wecker – erneut viel zu früh – um uns möglichst viel Zeit für unsere See Genezareth-Tour zu verschaffen. Da die letzte Nacht aber ziemlich kurz und nach dem Portemonnaie-Verlust des Welpen auch ziemlich ätzend war, stellte ich den nervigen Wecker einfach noch mal ganz ungeniert eine Stunde weiter. Gefühlt fünf Minuten später – um 9 Uhr – klingelte das blöde Ding schon wieder. Nochmal drückte ich den aufdringlichen Piepton weg und vertagte um eine weitere halbe Stunde. Dann aber half es einfach nichts und wir mussten uns tatsächlich aus dem Bett quälen. Ein schwieriger Tag lag vor uns. So ganz ohne Geld. Immerhin hatte der Köter den dummen Fehler gemacht, dem Welpen das ganze Geld anzuvertrauen. Und das obwohl der Köter doch eigentlich ganz genau weiß, dass unser Welpe zur Gattung der gemeinen „Verschmeißer“ zählt. Und dieses Mal hat er halt mal seinen Geldbeutel verschmissen. Dachten wir zumindest. Immerhin zeigte sich der Welpe mal reumütig statt stur. Es hatte also auch was Gutes.

Und da ja bekanntlich zu viel des Guten nie genug sein kann, rutschte plötzlich auch noch ein kleines Zettelchen unter unserer Tür hindurch: Your Wallet is in the Office.

Hallelujah! Offenbar hatte der Welpe seinen Geldbeutel noch auf dem Parkplatz verworfen. Überglücklich nahmen wir das Brieftäschchen also wieder in Empfang und erfreuten uns an knapp 17 Euro, die so wieder in unseren Besitz gelangten. Und an unzähligen gesperrten Bankkarten. Ja nun.

Wie alles in Israel war der See Genezareth nur einen Katzensprung von unserem Kibbutz entfernt und nach nur 20 Minuten Fahrt durch malerische Landschaft erspähten wir hinter den Bergen bald schon das Wasser des Lake Kinneret. Unsere erstes Ziel lautete Kapernaum. Das Dorf, in dem Jesus lebte. Als Fischer.

Die Überreste des Dorfes gab es für uns Köter sogar für lau, denn wir enterten das Gelände just in dem Moment, als der Kartenverkäufer seine Zigarettenpause einlegte. Er winkte uns einfach kurz durch. Nochmal Hallelujah.

Nach Kapernaum suchten wir den Ort, an dem angeblich die Bergpredigt stattfand. Leider vergeblich. Da wir aber eh einmal um den ganzen See wollten, verschoben wir die ausgiebige Suche und verlegten uns erst einmal nach Tiberias. Der Welpe hatte Hunger und irgendwie mussten wir langsam mal versuchen wieder an Geld zu kommen. Also durchgefragt zum nächsten Bankautomaten. Der Welpe hatte am Morgen seine EC-Karte wieder entsperrt und war guter Dinge noch ein paar Rest-Euronen von seinem Konto ziehen zu können. Doch das einzige, was zog, war der Geldautomat. Nämlich die Karte des Welpen. Und schon ward sie nie wieder gesehen, verschluckt von einem israelischen Geldautomaten vor einer verlassenen Bank. Ähm…

Dann eben anders. Der Köter entsann sich, dass Kreditkarte ja für Kredit steht und irgendwie gab es dann doch Geld. Und Frühstück. Und einen kleinen Spaziergang an der recht netten Promenade in der Kreuzritterstadt Tiberias. Gegründet wurde die Stadt übrigens 17 nach Christus von Herodes und dementsprechend wohl benannt nach… Trommewirbel… Kaiser Tiberius.

Gut gestärkt ging es für uns Köter dann weiter zum eigentlichen Highlight des Tages: Yardenit. Der Ort, an dem Jesus von Johannes dem Täufer getauft wurde. Also Grund genug für viele amerikanische Touristengruppen, per Bus in Massen an den Jordan kutschiert zu werden, sich ein weißes Leibchen überzustreifen und taufen zu lassen. Just like Jesus did! Eine eben solche Taufgruppe mit Namensschildchen – damit auch kein Schäfchen verloren geht – durften wir dann auch an dem längst völlig durchkommerzialisierten Ort bewundern. Nach der Freakshow in der Grabeskirche ein nächstes Highlight. Nach der Taufe muss der Besucher des Zentrums schließlich noch durch den Jesus-Merch-Shop, getreu dem Motto: Come to pray, stay to shop.

Die Köter ergriffen die Flucht. Und zwar schnell.

Es ging weiter um den See herum, während im Westen langsam bedrohlich dunkle Wolken unser T-Shirt-Wetter in Gefahr brachten. Dabei fiel ein letzter kräftiger Sonnenstrahl durch die Wolkendecke auf den malerischen See. Und uns Köter entfuhr ein andächtiges Raunen: Hallelujah! Garantiert synchron mit der Taufgruppe, die gerade auf der anderen Seite des Sees stand und an ein göttliches Zeichen glaubte. In den Händen mindestens zwei vollgestopfte Tüten mit Jesus-Fanartikeln und dem obligatorischen 20 $ „Baptised in the Jordan River“- T-Shirt am Leib.

Kurz vor Zapfenstreich entdeckten wir Köter dann doch noch den Ort der Bergpredigt. Also der Ort, wo diese wichtige Szene bei Ben Hur spielt;-)

Als letzte Tagesgäste durften wir noch schnell durch das schließende Tor schlüpfen und uns kurz umsehen. Dabei kontaktete uns auch gleich ein Typ, den ich erst für einen weiteren Tourguide hielt, der uns in nur wenigen Minuten um unser Kleingeld erleichtern wollte. Doch es war einfach nur ein entspannter Israeli, der uns vollkommen gratis zu einem kleinen Wasserfall führte, auf deutsch smalltalkte, von seinem Sohn in Leipzig schwärmte und uns nützliche Sightseeing-Tipps gab. Netter Typ, der einfach nur wollte, dass uns Israel gefällt. Übrigens wurden wir hier schon so einige Male mit einem euphorischen „Welcome to Israel“ willkommen geheißen.

Pünktlich mit Sonnenuntergang sollte es für uns dann auch schon zurück nach Akko gehen. Fußball schauen und dann nach Nazareth in das wirklich empfehlenswerte SIMSIM Hostel. Gebucht wurde aus dem Auto raus per Telefon. Samir, der Gastgeber im SimSim, konnte allerdings so gar nicht verstehen, wie wir an einem Tag vom See Genezareth nach Akko und dann noch nach Nazareth fahren konnten/wollten. Nun ja, das sind knapp 35 Minuten Autofahrt, für deutsche Verhältnisse nicht sehr viel. Für Israelis offenbar eine halbe Ewigkeit. Vielleicht auch deswegen, weil hier auch einfach immer Stau ist. Und das kommt nicht von ungefähr, denn Unfälle scheinen hier ständig zu passieren. Der Köter mahnt an dieser Stelle: Das ist auch kein Wunder, so wie die hier fahren!

Da es jetzt schon wieder nach 0 Uhr ist und wir eigentlich zeitig morgen unterwegs wollen, erspare ich euch mal die Anekdote, wie wir Köter auf erbärmliche Weise versucht haben zu tanken und schon an den ausschließlich israelischen Instruktionen gescheitert sind. Nur so viel, der Vermerk, es steht doch im Tankdeckel, was ihr dann tanken müsst, hilf echt gar nichts, wenn man nur Kauderwelsch erkennt.

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