22.03.2016, Ramallah – Nablus

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(Klobasaköter/Klobasawelpe) Für heute auf dem Plan standen die Städte Nablus und Ramallah in der West Bank. Überschattet wurde unsere morgendliche Planung allerdings von den Anschlägen in Brüssel. Ausnahmsweise ging genau in dem Moment das Internet, sodass wir recht früh schon von den Ereignissen in Belgien erfahren haben. Einen kurzen Moment waren wir unsicher, was die Anschläge nun für uns hier im Heiligen Land bedeuten würden.

Ganz offensichtlich hatte sich schon am Wochenende etwas in der Sicherheitslage in Israel verändert. Im Gegensatz zu unserer ersten, ja wirklich entspannten Woche wurde die Militärpräsenz noch einmal erheblich nach oben gefahren. An jeder Ecke standen am Montag bereits Soldaten und wir wurde Zeugen der ersten Kontrollen. Ganz offensichtlich eine Reaktion auf die letzten Terroranschläge in der Türkei. Da wir an diesem Morgen über Jerusalem nach Ramallah und Nablus wollten, stellte sich also die Frage nach der Situation an den Checkpoints.

Aber zunächst schien unsere Sorge unbegründet, über den ersten Checkpoint kamen wir schnell und unkompliziert. Keine Kontrollen. Es wirkte fast so, als wüsste hier noch keiner von den Geschehnissen in Belgien. Die Soldaten wirkten entspannt, aber es war auch noch keine Stunde her, dass die erste Newsmeldung über den Äther gegangen war.

Am Damaskustor in Jerusalem fragten wir uns schließlich durch zu den Bussen nach Ramallah. Wenige Minuten später saßen wir schon im Bus. Als einzige Touris. Ramallah scheint nicht so beliebt. Vielleicht liegt es daran, dass es auf dieser Strecke gilt, mit dem Qalandiya Checkpoint einen der berüchtigt unentspannten Checkpoints zu passieren? Man weiß es nicht so genau. Aber die Route des Busses führte eine ganze Weile an der Mauer entlang. Beim Übertritt in die Westbank war dann auch unschwer zu erkennen, dass sich seit der letzten Stunde einiges getan hatte. Lange Autoschlangen und Kontrollen. Die Ereignisse in Belgien zeigten ihre Wirkung.

Trotz allem kommen wir sicher in Ramallah an. Hungrig machen wir uns direkt auf zum nächsten Falafelstand. Dort kommt uns freudig ein hoffnungsvoller Verkäufer entgegen. Leider gehört ihm aber nicht der Falafelstand und sein Brot ist nicht halb so attraktiv, wie ein frisch gemachtes Falafelsandwich mit Hummus und Salat. Das scheint er auch bemerkt zu haben. Traurig und enttäuscht verzieht er sich zu seinem Stand. Da hat man fast schon ein schlechtes Gewissen.

Gestärkt geht es jetzt weiter zur Touristeninfo. Dort werden wir mit einer Karte und vielen Informationen ausgestattet. Obwohl der Weg in die Altstadt nun wirklich einfach ist. Einfach geradeaus. Trotzdem schaffen wir es uns zu verlaufen. Wie die Köter das schon wieder geschafft haben?

Eine nette junge Frau hilft uns schließlich und führt uns persönlich zum Dar Zahran Heritage Center. Hier werden wir Zeuge der berühmten arabischen Gastfreundlichkeit. Nicht nur, dass der Eintritt in das alte palästinensische Haus keinen Eintritt kostet, nein, wir werden auch sofort von einem freundlichen Mann mit Bonbons begrüßt. Er stellt sich als Besitzer des Hauses vor. Wir nehmen auf einem der niedrigen Sofas Platz und er erzählt uns von seinen Vorfahren, die in diesem Haus gewohnt haben. Danach haben wir noch Zeit alleine herumzustreifen, die Bilder an den Wänden zu betrachten, die Palästinenser aus Ramallah zwischen 1890 und 1945 zeigen und schließlich im Shop etwas kaufen. Das tun die beiden Köter doch gerne. Ein niedliches handgearbeitetes Püppchen, das eine Palästinenserin mit Wasserpfeife darstellt, ist schnell ausgewählt. Jetzt macht der Gastgeber noch ein Abschiedsbild von uns beiden vor seiner Palästinaflagge und weiter geht’s.

Zum Arafat-Grab. Dieser riesige Steinkomplex ist mehr als beeindruckend. Schon unten an der Straßenecke sehen wir Soldaten und Polizei. Auch am Eingang versperren uns zwei Soldaten den Weg, die uns bitten den Rucksack dazulassen. Ehrfürchtig betreten wir den Hof. Genau 75 Meter sind es vom Tor zum Mausoleum. Einer für jedes Jahr, das Arafat gelebt hat.

Das würfelförmige Mausoleum ist elf mal elf Meter lang und steht für den 11.11.2004. Innen halten zwei Soldaten Wache an Arafats Grab. Alles scheint hier eine symbolische Bedeutung zu haben. Alle Gebäude sind gen Jerusalem ausgerichtet und sehr imposant. Eigentlich schade, dass dieses Gebäude nur vorübergehend ist, so viel Aufwand steckt wohl dahinter. Eigentlich hatte Arafat gehofft, eines Tages in Jerusalem beerdigt zu werden und laut unserem Führer soll er das eines Tages auch. Das imposante Grabmal ist also seltsamerweise nur eine Übergangslösung. Das symbolisiert auch das Wasser um das Mausoleum, dass aussehen soll wie ein Schiff, dass in Richtung Jerusalem treibt. Nachts scheint ein blauer Laserstrahl vom Minarett aus nach Jerusalem.

Viel Zeit für den Rest der Stadt bleibt nicht mehr. Das meiste ist ja auch gesehen und wir müssen immer noch nach Nablus kommen.

Also raus aus der Altstadt und rein in den Bus. Er ist etwas abgeranzt und rappelvoll. Fast nur Männer und wir die einzigen Touristen. Diesmal verläuft die Fahrt nur in der Westbank. Also keine Checkpoints, keine Kontrollen und keine Soldaten. Entspannt lehnen wir uns zurück und dösen.

Doch schnell werden wir wieder aus unserem Nickerchen gerissen. Eine Kontrolle.Warum das denn? Weder die Mauer ist zu sehen, noch irgendeine Grenze. Nur ein random Turm an der Seite und Soldaten über Soldaten. Alle mit Maschinengewehren. Spikes auf der Straße halten die Autos auf. Vor uns wird ein Auto kontrolliert. Alle müssen aussteigen und der Innenraum wird peinlichst durchsucht.

Zum Glück wird unser Bus einfach weitergewunken. Nochmal Glück gehabt. Warum genau an dieser Stelle eine Kontrolle war, erschließt sich uns nicht.

Als der Bus nach Nablus einfährt, herrscht erst einmal Verwirrung. Wo sind wir? Weder Köter noch Welpe haben eine Ahnung. Orientierungslos stolpern wir aus dem Bus und werden sofort von einem Mann angesprochen. Er kenne sich aus. Erleichtert folgen wir ihm in Richtung Altstadt. Nablus entpuppt sich als wunderschöne arabische Stadt und außer den beiden Kötern ist wieder kein Tourist zu sehen. Der Mann entpuppt sich als Glückstreffer. Er kennt die Stadt wie seine Westentasche und jeder kennt ihn. Gemeinsam besichtigen wir ein türkisches Bad, dass immer noch in Betrieb ist und eine Seifenmanufaktur, essen Kanafe und sehen mehrere römische Ruinen und Häuser, die uns alleine nicht mal aufgefallen wären.

Die Einheimischen scheinen sich wirklich über uns zu freuen. Überall werden wir überschwänglich begrüßt und keiner rennt uns aufdringlich hinterher, um uns irgendwelchen überteuerten Kitsch zu verkaufen. Die … Shekl, die wir dem Mann am Ende zahlen, ist uns dieses Erlebnis wert, denn viel zu früh sitzen wir wieder im Sherut nach Bethlehem.

Die Fahrt ist etwas entspannter als die nach Nablus. Außer dass der Fahrer einen Fahrstil jenseits von Gut und Böse hat. Richtig unangenehm wird das erst kurz vor Bethlehem. Die Straße führt in engsten Haarnadelkurven einen steilen Berg hinauf. Nicht, dass man vor solchen Kurven abbremsen müsste. Nein, man gibt lieber nochmal ordentlich Gas. Wen stört es da noch, dass das Taxi bei diesen Manövern vorübergehend auf der Gegenfahrbahn landet.

Als das Sherut endlich in Bethlehem hält, sind die beiden Köter ziemlich gebeutelt. Deswegen fragen wir den Fahrer, ob er uns nicht weiter mit nach Beit Jala nehmen kann. Der Fahrer spricht leider so gut wie kein Englisch, bietet uns aber einen Sonderpreis an. Für 20 Shekl pro Person nach Beit Jala. Leider ist unser Geldbeutel dafür zu leer und notgedrungen steigen wir aus. Als es um die Bezahlung geht, verstehen wir nicht genau, was der Fahrer will. Sein Englisch ist nicht wirklich vorhanden. Da die Frau vor uns aber nur zehn Shekl und ein paar Zerquetschte gezahlt hat, kann es ja nicht zu viel sein.

Denkste! Für unseren Hunderter bekommen wir nur 60 zurück. Alles Diskutieren hilft nichts. Der Fahrer schaltet auf stur und wird gegen Ende sogar ziemlich wütend. Selbst der hinzugezogene Übersetzer hilft uns nicht weiter. Schließlich fährt der Taxifahrer wütend weg und wir machen uns wütend auf den Weg zurück zum House of Hope.

Die Strecke entpuppt sich als viel länger als gedacht. Müde schlurfen die beiden Köter vor sich hin, bis wir plötzlich aus einem Auto angesprochen werden. „Marhaba. Kef halek?“ Die Stimme kommt mir zwar bekannt vor, trotzdem drehe ich mich nur unwillig um. In Erwartung eines aufdringlichen Taxifahrers bin ich umso positiver überrascht, als ich den Fahrer erkenne. Majdi. Der nette Besitzer des Ladens, wo wir unsere Schuhe gekauft haben. Sofort werden wir in sein Auto verfrachtet und ab geht’s nach Hause. Hallelujah! Als wir aussteigen, läd er uns noch zum Tee in seinen Laden ein und bietet uns seine Fahrkünste an, wann immer wir Hilfe brauchen. Das macht doch alles wieder wett.

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