29.03.2016, Palästina – Osttimor 7:0 (4:0) (Doha Stadion Hebron, Woldcup Qualifikation Asien, Rückspiel)

HPFussipal

(Klobasaköter) Nach so viel Kultur, Politik und leider auch Krankheit wurde es endlich mal wieder Zeit für ein wenig Fußball. Und einen neuen Länderpunkt. Zwar nicht mit singenden und tanzenden Fanmassen, aber dafür mit einem echten Länderspielknaller. Zumindest der Köter hatte sich vor ein paar Wochen wie ein kleines Kind gefreut, als er beim Spiele-Spähen entdecken durfte, dass während unserer Tour so ein Schmankerl möglich war. Also hielt und nichts länger in Bethlehem und wir nutzen die Chance, neben diesem Fußball-Classico der auch politisch spannenden Stadt Hebron einen Besuch abzustatten. Anschließend ging es direkt weiter zum Match. Sami, unser einheimischer „Guide“, war auch mit von der Partie.

Fußballbegeistert ist er nämlich schon – wenn es um Manchester, Barcelona oder Bayern geht. Warum man nun allerdings auf Rumpelfußball steht, erschloss sich ihm eher nicht. Aber er wollte uns nicht alleine gehen lassen. Er hatte Angst um uns, glaube ich. Also parkte er sein Luxusauto wirklich direkt vor dem Haupteingang und organisierte für uns einen Zugang in den Familienblock. Zwischen den normalen Leuten schien es ihm nicht adäquat genug für seine Gäste. Uns sollte es egal sein. Wir zahlten auch ihm ein günstiges Ticket und folgten seinen Abweisungen. Wo wir sitzen, ist uns doch egal. Zu meinem großen Missfallen mussten wir allerdings mit Betreten des Stadions direkt wieder unsere Eintrittskarten abgeben. Sehr unschön. Denn auch auf dem späteren Weg hinaus konnte ich nur noch Teile der Tickets aus dem Dreck fischen. Ich bin untröstlich.

Im Stadion war es dann eine schöne, äußerst un-europäische Atmosphäre in dem nur aus zwei Tribünen bestehenden Stadion. Installierte Sitzplätze gab es keine, sondern immer nur willkürlich in den Reihen positionierte Plastikstuhlnester. Wir suchten uns eben so ein Nest, sprich eine wahllose Aufreihung aus weißen Stühlchen und ließen und nieder. In der Fankurve hinter dem Tor begannen bereits die Gesänge. Angetrieben von zwei Vorsängern auf zwei Leitern. Die Stimmung war akzeptabel. Weniger akzeptabel war sicherlich das Spiel. Palästina klar überlegen – womit ich definitiv nicht sagen will, dass sie wirklich gut waren. Aber gegen Osttimor hätte wohl sogar Vicky gut ausgeschaut. Zumindest fielen etliche Tore. Etwas Unterhaltung, während ganz allmählich die Kälte begann an uns zu nagen. Sami zitterte ziemlich schnell und der Siegesfußball seiner Nationalmannschaft konnte ihn auch nicht trösten. Wir boten ihm sogar an im Auto zu warten oder uns mit Abpfiff wieder einzusammeln, aber er wollte sich weiter quälen. Keine Schwäche zeigen war da wohl die Devise.

In der Halbzeit dann eine dubiose Musikshow. Zwei Sänger – als kämen sie aus einem der Ostblock-Musiksender, die ganz hinten im Menü so um Sender 73 herumlungern – starteten einen schlagerhaften Song, der alle um uns herum offenbar aus den Sitzen riss. Viele palästinensische Fahnen wurden geschwenkt und lautstark wurde gesungen: „Palästina, Jerusalem und Gott sind Arabisch!“ Ähm, nun ja. Immerhin nett, wenn man so seinen Übersetzer hat. Nach der Show wurde es dann wieder wesentlich ruhiger. Auch dadurch bedingt, dass sich die Jungs im Fanblock plötzlich ganz heftig in die Wolle bekamen. Es flogen Fäuste. Der Krawall-Welpe war glücklich. Sami machte sich unterdessen auf, um Tee zu kaufen. Er drohte, glaube ich, zu erfrieren, wollte es aber nicht zugeben. Zurück kam er zwar mit drei Bechern, nur statt Tee gab es stark gewürzten Mais. Eigentlich lecker, aber fast schon zu salzig.

Sami hielt sich rettend an dem warmen Becher fest. Er betete dem Abpfiff entgegen. Und ganz unwillkommen kam der für uns letztlich auch nicht. Es gab viele Tore, ein paar nette Eindrücke, einen neuen Länderpunkt. Und genau das, was der Name der Partie verspricht: Rumpelfußball. Aber hey, wessen feuchter Traum ist es nicht, ein Länderspiel Palästina versus Osttimor zu machen? Es hätte zur Krönung nur noch ein Freundschaftsspiel sein müssen, dann wäre es perfekt gewesen.

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