31.03.2016, Welcome to Jordan

HPMini

(Klobasaköter) Nach einer entspannten Nacht im netten Arava Hostel in Eilat sollte es am nächsten Morgen ebenso entspannt weitergehen. Als der erste Wecker in unserem Zimmer um Punkt Sieben dröhnte, konnten wir Köter uns noch einmal gähnend zur Seite drehen. Wir waren nicht gemeint. Erst zwei Stunden später ging es für uns aus den Federn. Mit reichlich Zeit und Gelassenheit. Und so zelebrierten wir den Tagesbeginn. Es sollte ja eh nur ein Transfertag werden.

Gegen 11 Uhr ging unser Abenteuer Jordanien dann endlich los. Mit einem kleinen Glücksfall, denn eigentlich hätten wir nur per Taxi zum Grenzübergang nach Jordanien kommen können, doch unser Hostelbesitzer bot einen kostenneutralen Ride an – weil er uns was Gutes tun wollte.

Dankend haben wir natürlich angenommen und standen nur wenige Minuten später vor der Passkontrolle. Ein paar Formalitäten später und 105 NIS ärmer (ca. 25 Euro, die Israel als Ausreisegebühr einsackt), marschierten wir auch schon die 200m durch vermintes – keine Sorge es führt ein sicherer Weg hindurch – Niemandsland.

Auf der anderen Seite hieß es jetzt das On-Arrival-Visum klarmachen. Hier sparten wir uns übrigens die VISA-Gebühr von knapp 60 Euro, weil uns die Frau im Hostel am Vortag noch rechtzeitig vor einer Neuerung der Modalitäten gewarnt hatte. Unser Reiseführer und fast alle Adressen im Internet waren hingegen auf dem Stand, dass die Einreise und auch das Visum nach Jordanien nichts kosten würden. Weit gefehlt. Seit Anfang 2016 greift der Staat Jordanien mit handfesten 56 Euro satt zu. Umgehen kann man dieses „Trinkgeld“ nur, wenn man vorzeitiger Besitzer des sogenannten Jordanpass ist. Eine Karte, die vornehmlich Attraktionen abdeckt, aber vor Antritt der Reise im Internet erworben, trägt sie auch die Visa-Gebühren. Mit 100 Euro pro Person ist der Spaß zwar nicht ganz günstig, da aber Petra selbst für einen Tag schon 50/70 Euro kostet, lohnt es sich doch wieder. Und der Jordanpass hat uns definitiv schnell und unbürokratisch über die Grenze gebracht.

Nach dem Geldtauschen direkt am Grenzübergang ging es für uns sofort weiter zum Taxischalter. Unser eigentlicher Plan, an der Grenze andere Touris anquatschen, um ein Taxi nach Petra zu teilen, fiel nur leider mangels anderer Touris ins Wasser.

Wir waren an dem ausgestorbenen Übergang schlicht die einzigen Reisenden. Also mussten wir das Problem Petra ganz alleine meistern. Zum Glück stehen direkt am Taxistand große Tafeln von der Tourist-Information, was für Preise für welche Strecken realistisch sind. Mit veranschlagten 49 Dinar (knapp 60 Euro) war eigentlich klar, dass eine direkte Fahrt nach Petra für die Köter ausgeschlossen war. Unser Alternativplan hieß, mit dem Taxi ins nahe Aqaba und von dort per Bus weiter.

Doch die Taxifahrer waren von unserem Versuch, nur nach Aqaba zu fahren, wenig angetan und gaben alles, um uns trotzdem Petra anzudrehen.

Was aber machen, wenn die Köter echt kein Geld haben? Mit dem Preis immerhin auf 35 Dinar (44 Euro) runtergehen. Okay, das klang schon etwas besser, köterisches Verhandlungsgeschick sei Dank und schon saßen wir bei unserem relaxten neuen Chauffeur Bader im gemütliche Taxi mit Air Condition. Er fuhr uns die knappe Stunde und 30 Minuten über den Desert Highway, bzw. später die King’s Road zur berühmten Stadt der Nabatäer. Ambientige Musik und unbeschreibliche Landschaften, diverse Polizeikontrollen auf der ebenfalls fast ausgestorbenen Autobahn und jeweils ein Trinkpäckchen Orangensaft plus Mini-Snickers sind im Preis sogar inbegriffen. Ein paar Mal halten wir, um das unglaubliche Wüstenpanorama mit der Kamera einzufangen. Dann setzt uns Bader auch schon direkt vor der Tür unseres Hostels ab. Nicht aber ohne uns anzubieten, jederzeit wieder für uns den Chauffeur zu spielen. Und tatsächlich, eine Idee hatten wir da noch… denn neben dem großen Petra soll es ja noch das kleine Petra geben. Und auch dort geht es nur per Taxi hin. Bader macht uns wieder einen guten Preis. Wir nehmen dankend seine Karte und versprechen uns zu melden. Gleich nach Check-In im wieder einmal nur zu empfehlenden Sabaa-Hostel prüfen wir den Preis von Aiman. Wir bieten ihm einen etwas reduzierten Betrag und er willigt schnell per WhatsApp ein. Ein Stunde später steht er wieder vor der Tür und sammelt uns zu unserer nächsten Tour ein. Schon wieder geht es von Wadi Musa aus durch unbeschreiblich schöne Landschaften. Dann schließlich biegen wir links ab mitten in die Sandsteinlandschaft hinein. Neben ein paar Beduinenzelten kommen wir zum Stehen. Viele Menschen sind nicht hier. Um so besser, keine nervigen Leute, die unsere Bilder mit ihrer simplen Präsenz verunstalten. Gleich zu Beginn kommen zwei junge Männer und bieten sich als Guide an. Wir sind uns unsicher und betonen, dass wir kein Geld für so einen Firlefanz haben. Sie bleiben hartnäckig, wir auch. Nach einem kurzen Augenblick einigen wir uns dann doch auf einen fairen Preis und einer der beiden gibt uns eine sehr nette Führung durch das kleine Petra – früher übrigens so etwas wie die Karawanserei auf der Route gen Süden. Unser Taxifahrer wartet indes an seinem Handy spielend. Irgendwie sind die Menschen dann doch überall gleich.

Das kleine Petra gibt es für uns übrigens auch nur gratis dank des Jordanpasses – sollte sich das teure Ding also doch rechnen? Perfekt.

Das kleine Petra schaut übrigens wirklich aus wie eine kleine Version des angeblich 8. Weltwunders der Antike. Es ist wunderschön und wir genießen die Zeit zum Fotografieren und Tee trinken. Ein alter Beduine will mir schließlich noch ein paar dort gefundene römische Münzen andrehen. Ich habe eigentlich null Interesse, fange dann aber doch das Feilschen an. Und siehe da, ich habe schon einen echt niedrigen Preis in Aussicht, da packt mich die Vernunft, was soll ich mit dem Ding? Aber es ist eine römische Münze, ich liebe Römer, flüstert eine kleine Stimme. Ich bleibe aber hartnäckig. Auch aus Sorge es könnte einfach eine extrem billige Fälschung sein. Aber so eine echte römische Münze… ach Mist, ich hätte das Ding kaufen sollen. Er hätte es mir für zwei Euro gegeben.

Unser Guide führt uns last but not least noch auf einen netten Aussichtspunkt, dann geht es langsam zurück. Gerade rechtzeitig, denn ein Touribus ist gekommen und all die schönen Bilder sind nun mit Amerikanern im Rentenalter vollgestellt. Unser Guide macht uns während des Spaziergangs noch das Angebot, uns am Abend bei unserem Hostel abzuholen und zum Sternenhimmel bewundern in seine Höhle nahe dem kleinen Petra einzuladen. Er will Hähnchen und Reis kochen. Auch unser Taxifahrer hat erzählt, dass seine Familie dort oben eine Höhle besitzt und sich dort an den Wochenenden zum Barbecue trifft. Wir schlagen die Einladung aus, obwohl sie uns mit veranschlagten 16 Dinar nicht zu teuer vorkommt.

Mit Taxifahrer Bader geht es wieder zurück nach Wadi Musa, die Stadt, die quasi zu Petra gehört. Er bietet an uns am nächsten Morgen auch nach Petra zu fahren. Sein Preis ist fast ein Witz und wir willigen ein. Obwohl es extrem früh mit Sonnenaufgang losgehen soll, verspricht er rechtzeitig vor unserem Hostel zu stehen.

Unser nächster spontaner Tagespunkt ist ein ganz spezieller. Mit Check-In nämlich haben wir ein Schild entdeckt, dass für einen Besuch des türkischen Badehauses in Wadi Musa wirbt. 9 Dinar (knapp 11 Euro) für Dampfbad, Heiße Steine, Massage und Scrubbing. Seit unserer Badehaus-Tour in Akko sind wir Köter tatsächlich schon neugierig auf so ein Erlebnis. Der Preis schien uns angemessen und die nette britische Hostelbesitzerin meldete uns spontan per Telefon an. Keine 20 Minuten später kam unser Gratis-Transport auch schon angedüst und chauffierte uns den Berg hinunter ins Badehaus.

Dort waren wir zunächst die einzigen Gäste. Zum Einstieg gab es ganz traditionell etwas Tee. Nach einer Weile wurden wir dann in die Kabinen gebeten. Badesachen übergestreift und der Bademeister geleitete uns exklusiv ins Dampfbad. Ich konnte kaum den Welpen erkennen, so dicht war der Dampf. Es war jetzt schon ein wundervolles Erlebnis. Und extrem entspannend.

Nach einer Weile im wohltuenden Dampfband wurden wir zum nächsten Punkt der Tour geleitet: Die heißen Steine. Dort lagen wir eine Weile zum Relaxen während jeweils einer von uns im Nebenraum noch einmal traditionell gewaschen und dann mit einer aufwendigen Massage versorgt wurde. Erst als wir beide wieder gemütlich auf den heißen Steinen im Dampf lagen und entspannten kam die nächste Reisegruppe und verschwand flux wieder im Dampfbad. Wir genossen es noch eine Weile auf den Steinen, dann ging es unter die Dusche und schließlich zurück in die ausgesprochen schön zurecht gemachte Umkleide. Auch die Cremes und Öle in der Kabine wussten zu gefallen und die Köter kamen quasi wie neu, geschniegelt und gestriegelt heraus. Im Warteraum folgte noch ein weiterer Tee und schließlich stiegen wir ca. 1,5 Stunden später zurück in den Jeep gen Hostel. Hinter uns ging gerade die Sonne über den Bergen unter, sodass wir just im Hostel angekommen umgehend auf die Dachterasse kletterten, Fotos machten und uns noch eine ganze Weile auf der Hollywoodschaukel uns unseres Lebens freuten. Denn nicht nur, dass der Besuch des türkischen Bades unglaublich schön war, der Sonnenübergang über dem traumhaften Panorama von Petra war wohl einer der schönsten, die ich je gesehen habe. Und derlei habe ich eigentlich schon viel gesehen!

Um den Tag perfekt ausklingen zu lassen ging es anschließend noch zum Essen. Traditionelle Küche. Vom Hostel empfohlen und mit akzeptablen Preisen.

Jetzt liegen die Köter gemütlich in ihrem Doppelzimmer inklusive eigener Toilette/Dusche für 13 Euro und lassen den perfekten Tag Revue passieren. Gleich geht es ins Körbchen. Morgen müssen die Köter nämlich zeitig raus und heute Nacht ist auch noch Zeitumstellung.

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