01.04.2016, 50 Shades of Brown

IMG_3678

(Klobasawelpe) Um die Wunder Petras zu erlaufen, muss man früh aufstehen, hat man uns empfohlen. Was wir nicht bedacht haben, ist die Zeitumstellung. Mitten in der Nacht wurden die Uhren umgestellt und so klingelt unser Wecker gefühlt um fünf Uhr morgens. Zum Glück hat der Welpe den Köter. Sonst hätte er sich an diesem Morgen wohl umgedreht und erst gegen Mittag den Weg nach Petra gefunden, um es im Nachhinein bitter zu bereuen.

Dank dem Köter sitzen wir um sieben aber wirklich in unserem Taxi. Nicht ohne natürlich das inbegriffene Frühstück, bestehend aus Brot, Zaatar, Joghurt, Eiern und Tee genossen zu haben. Und natürlich dem Lunchpaket, das das Hostel für 3,90 Dinar bereitstellt, sicher im Rucksack verstaut.

In Petra angekommen, sind wir gefühlt die einzigen Touristen. Wieder zahlt sich der Jordan Pass aus. Wir werden einfach durchgewunken. Die Läden sind zwar schon geöffnet, aber sonst herrscht Stille. Also machen sich die beiden Köter nach einem kurzen Blick auf die Karte auf den Weg.

Es geht eine gekieste Straße entlang. Ab und zu eine Infotafel. Noch ist es kühl. Die Morgensonne ist noch nicht ganz über die Berge gestiegen. Angenehm. Bevor wir uns aber richtig auf den Weg zur engen Schlucht machen können, die Petra vom Rest der Welt trennt, gilt es den Spießrutenlauf der „Taxifahrer“ zu überstehen. Pferdekutscher, Maultier- und Eseltreiber bieten uns eine kostenlose Fahrt zum Tor an. Der Preis sei inbegriffen. Sie wünschten sich nur ein kleines Trinkgeld. Aber wir wollen uns Petra erlaufen. Das haben wir uns vorgenommen und das werden wir auch durchziehen. Auch wenn der Weg als sehr anstrengend wahrgenommen wird.

Nachdem wir das überstanden haben, treffen wir nur noch auf wenige Touristen. Anscheinend waren nicht viele so wahnsinnig wie die Köter. Aber ich finde jetzt schon, dass es sich lohnt. Wir haben diesen Teil der Strecke ganz für uns. Nur ein älteres Ehepaar samt Guide und zwei muslimische Mädchen begegnen uns.

Durch eine enge Schlucht aus Sandstein geht es weiter auf einer alten Römerstraße, bis sich die Schlucht plötzlich öffnet und den Blick auf die erste Attraktion des Tages freigibt. Das Schatzhaus. Das im hellenistischen Stil aus dem Sandstein gehauene vierzig Meter hohe und zwanzig Meter breite Gebäude ist bestimmt das berühmteste Gebäude Petras. Einer Legende nach hat der Pharao in der Urne über dem Tor einen Schatz versteckt. Schusslöcher weisen auf die vergeblichen Versuche hin diesen Schatz zu heben.

Hier gönnen sich die Köter eine kurze Pause, um den Anblick dieses beeindruckenden Bauwerks auf sich wirken zu lassen. Auch das Ehepaar und die Mädchen sind wieder da. Man grüßt sich. Irgendwie schon fast eine familiäre Atmosphäre zwischen uns wahnsinnigen Frühaufstehern.

Auch der Guide spricht uns an und unterhält sich kurz mit uns. Vor allem das Wegbleiben der Touristen ist für ihn ein großes Thema. 75 Prozent, sagt er. Das können wir nicht nachvollziehen. Klar, Syrien ist nicht weit, aber das ist es in Israel auch nicht und Jordanien ist wohl das liberalste und touristenfreundlichste Land im Nahen Osten. Jedenfalls fühle ich mich hier wohler als in Israel. Die Leute sind so gastfreundlich und lieb. Verdient hat hier keiner, dass die Touristen wegbleiben. Also Leute! Auf nach Jordanien! Die Köter sind jetzt schon begeistert.

Die Schönheit Petras kann ich gar nicht in Worte fassen, also bediene ich mich den schönen Zeilen John Burgons, der im 19. Jahrhundert Petra besuchte und sagte: „Finde mir ein solches Wunder außer im Morgenland. Eine Stadt, rosarot, halb so alt wie die Zeit.“

Ich bin immer noch hin und weg und kann jedem nur wärmstens empfehlen, sich dieses achte Weltwunder anzusehen.

Das zweite Highlight lässt nicht lange auf sich warten. Denn den Kötern reicht es nicht unten im Tal zu bleiben. Sie wollen zum Kloster. Dazu geht es knapp zwei Kilometer über Treppenstufen den Berg hoch. Zum Glück ist es immer noch früh und wir haben alle Zeit der Welt. Also los.

Wir haben erst eine kurze Strecke des Weges zurückgelegt, als uns eine Frau mit Esel einholt. Der Esel hat keine Lust den Berg zu besteigen, beladen mit schwerem Gepäck und die Frau hat alle Schwierigkeiten den Esel anzutreiben. Also bleibt sie stehen und redet lieber mit uns. Sie würde uns etwas zeigen. Am Anfang bin ich etwas skeptisch. Kann das denn gut sein? Bestimmt will die Frau am Ende Geld. Aber falsch. Sie führt uns über einige kleine Kletterpartien abseits vom großen Weg zu einem weiteren wunderschönen Bauwerk. Und wieder zurück, ohne dabei einen Piaster zu verlangen. Geschweige denn einen von unseren kostbaren Dinaren.

Und weiter geht’s den Berg hinauf, während die Sonne mit uns höher klettert. Irgendwann finden wir die ersten kleinen Stände rechts und links des Weges. Ist das ein Zeichen, dass wir bald oben sind? Nein, dafür bieten uns Beduinenfrauen allerhand Dinge an. Die Marktschreierinnen sind aber angenehm. Niemand ist wütend oder wird aufdringlich, wenn wir nichts kaufen. So bleiben wir auch schließlich freiwillig stehen und kaufen zwei typische Kopfbedeckungen. Rot-weißes Tuch für Jordanien, schwarz-weißes Tuch für Palästina. Bunt für die Beduinen. Der Köter ist gut im Verhandeln und schließlich entscheiden wir uns für eine geschnitzte Tabakpfeife und helle dunkelrot-creme gemusterte Tücher, die uns die Beduinen gekonnt um den Kopf schlingt.

Und so gehören jetzt auch die Köter zu den Einheimischen. Oder zu den vielen Touristen, die sich sehr cool mit ihren typischen Kopfbedeckungen vorkommen.

Aber das Tuch hilft und wird uns, wie wir später noch merken, besser vor der Sonne schützen als unsere mitgebrachten Hüte.

Etwa auf halber Strecke gönnen wir uns eine richtige Pause. Eine Beduinen lädt uns zum Tee ein, während ihre kleinen Kinder mit einem Bobbycar auf den Stufen herumtoben. Diesmal ist der Köter skeptisch, aber der Welpe hat schon von der Beduinengastfreundlichkeit gelesen und der Tee ist wirklich gratis. Trotzdem kaufen wir ihr am Ende ein paar Geschenke für unsere Freunde ab. Sie tut uns zu leid, als dass wir einfach weitergehen können. Denn auch sie erzählt uns von den Problemen, die sie mit den fehlenden Touristen haben. Die Pause haben wir dazu genutzt, die anderen Touristen zu beobachten, die fast alle auf einem Esel den Aufstieg bewältigen. Bis auf ein asiatisch aussehendes Pärchen, dass händchenhaltend die Stufen hinaufsteigt. Irgendwie rührend der Anblick.

Endspurt. Inzwischen haben uns die vielen Touristen eingeholt, obwohl man immer noch nicht von Massen reden kann. Aber die familiäre Atmosphäre ist weg. Störenfriede. Aber gut fürs Geschäft natürlich.

Endlich erreichen wir das Kloster. Photos werden gemacht und die zusätzlichen paar hundert Meter zu einem Aussichtspunkt nehmen die Köter natürlich gerne in Kauf

Oben angekommen sind wir sehr stolz auf uns und genießen die Aussicht auf die umliegenden Täler. Würde ich auf Englisch schreiben würde ich den Ausdruck stunning verwenden.

Dunkelbraune Berge, durchzogen von etwas helleren Streifen am Horizont das helle Braungelb Israels. Unglaublich.

Das süßeste ist aber die kleine Katze, die auf einem der Aussichtspunkte herumstreunt und den Welpen als Mama-Ersatz adoptiert hat. Als ich mich hinknie, um mit ihr zu schmusen, klettert sie auf mein Knie und als es da auch Streicheleinheiten gibt, springt sie weiter auf meine Schulter auf meinen Kopf. Als ich etwas später in einer Nische in einer der Felswände entspanne, kommt sie uns hinterher und steht maunzend unten. Während ich noch überlege, ob ich sie zu mir hochnehme, klettert sie auf die Felsen und springt wieder auf meine Schulter. Eigentlich hat so ein Ausdruck auf unserem Blog nichts zu suchen, aber ich kann der Versuchung nicht widerstehen: Aaaaaaaaaaw!!!!!

Schließlich müssen sich aber auch die Köter wieder an den Abstieg machen und die Katze alleine zurück lassen, schließlich gibt es noch so viel mehr zu sehen. Es bricht einem ja fast das Herz, aber es gibt bestimmt genug andere Touristen, die ihr Liebe geben und die Beduinen sind auch durchweg tierlieb.

Der Weg nach unten gestaltet sich viel einfacher als der Weg nach oben. Wieder werden wir von den Händlerinnen angesprochen, viele erkennen uns wieder und hätten wir mehr Geld, würden wir jeder einzelnen von ihnen etwas abkaufen.

Unten angekommen nehmen wir noch einige Bauwerke mit und schleppen uns dann gen Ausgang. Langsam spürt man die Hitze doch. Trotz der Kopfbedeckungen. Langsam wird es Zeit nach Hause zu gehen.

Ein paar Bauwerke werden noch mitgenommen und dann geht es zurück.

Der Platz vor dem Schatzhaus ist inzwischen voller Menschen. Touristen, Verkäufer, Kamel- und Eseltreiber samt Tieren. So oder ähnlich muss es früher gewesen sein, als hier die Gewürz-, Seiden- und Weihrauchkarawanen aus Damaskus, Arabien und Indien einen Zwischenstopp einlegten.

Das letzte Stück zieht sich, aber schließlich ist auch das geschafft und wir sitzen wieder bei Bader im Auto.

Erstmal duschen und dann ins Bett für eineinhalb Stunden. Dann sehen wir uns noch den Sonnenuntergang an und gefühlt viel zu spät fallen die Köter ins Bett. Nicht einmal diesen Artikel konnte ich fertig schreiben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Folgt uns
Instagram
Instagram did not return a 200.

Follow Me!