02.04.2016, Eine Straße für Könige

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(Klobasaköter) Das Kapitel von Petra nach Amman haben wir bis zuletzt auf uns zukommen lassen. Ich wusste, es gibt sehr günstige Busse, aber die fahren zu eher ungünstigen Zeiten den eher weniger reizvollen, dafür aber schnellen Desert Highway. Weit attraktiver schien uns die sogenannte Kings Road, mit ihren landschaftlichen Reizen und vielen kleineren Sehenswürdigkeiten am Straßenrand. Allerdings hieße das, mit Sammeltaxis langsam und finanziell unkalkulierbar von Ort zu Ort ins Ungewisse zu hoppen. Kann man machen, muss man aber nicht…

Deswegen war es geradezu ein Glücksgriff, dass in unserem schönen Sabaa Hostel direkt ein maßgeschneiderter Weiterfahrplan aushing:

Über das malerische Dorf Dana sollte es zur beeindruckenden Burg Karak, einmal quer durch den atemberaubenden Wadu Mujib, dann in die sogenannte Mosaikstadt Madaba und last but not least zum heiligen Mount Nebo gehen. Anschließend gab es einen Transfer direkt vor die Tür unseres neuen Hostels in Amman.

Klang fast zu perfekt, um wahr zu sein. Das Sahnetüpfelchen wäre nur noch gewesen, weitere Backpacker aufzutreiben und die rund 100 Euro Fahrtkosten auf drei oder vier Personen aufzuteilen. Wir fanden dann zwar tatsächlich kurz vor Abfahrt einen willigen Argentinier, aber der wollte unbedingt erst Sonntag die gleiche Route nehmen. Also mussten die Köter alleine auf Reise gehen. Das war zwar nicht günstig, aber die fast neun Stunden Tour mit persönlichem Fahrer und Getränken trotzdem wert. Alleine hätten wir all diese Orte sicher nicht sehen können.

Wie schon am Vortag haben wir uns das günstige und ausgiebige Lunchpacket gegönnt, das der Hostelkoch frisch während es Frühstücks zusammenstellte. Dieses Mal gab es übrigens köstliches Omelett und frischen Salat. Wir dürfen uns echt nicht beschweren. Das Leben aus dem Rucksack ist nicht ganz ohne Genüsse.

Um kurz nach Acht in der Früh waren wir auch schon on the road. Das erste Ziel am heutigen Tag, das Naturreservat Dana samt malerischen Dörfchen auf einem Hochplateau. Mit nur zwei anderen Touristen haben wir uns diesen „Geheimtipp“, der in wirklich jedem Reiseführer als solcher auch verkauft wird, schließlich geteilt. Im wundervollen Morgenlicht und weitem Blick über die Berge gönnten wir uns einen kleinen Spaziergang und ausgiebige Fotosessions. Ziegen en masse inklusive.

Der Auftakt war also gelungen und weiter ging es nach Karak, wo eine alte Kreuzritterfestung auf einem weiteren Plateau auf uns wartete. Auf dem Weg durchquerten wir canyonartige Berge, Wüste und grünes Hochplateau.

Nach einer guten Stunde Fahrt enterten wir schließlich Karak. Die Hälfte der Strecke nach Amman war rein kilometertechnisch schon geschafft.

Den Eintritt für die Festung gab es für uns als stolze Jordanpass-Inhaber für lau. Gleich nach Betreten der Anlage hängte sich auch schon der erste arbeitsuchende Guide an unsere Fersen. Freundlich erklärte ich ihm, dass die Köter jetzt blank seien und uns seinen Service schlicht nicht leisten können. Traurig aber verständnisvoll zog er wieder ab.

Es ist ein Jammer, dass der Tourismus in Jordanien so unter dem Konflikt in Syrien zu leiden hat. Denn eigentlich ist die touristische Infrastruktur in Jordanien klar an westliche Maßstäbe angelegt. Bisher fühlte ich mich außerdem noch keine Sekunde unsicher. Und um einen der Guides aus Petra zu zitieren, eine Destabilisierung Jordaniens ist undenkbar. Immerhin ist Jordanien einer, vielleicht sogar der bedeutendste Partner im nahen Osten der USA und Europas. Ebenso wie Israels längste Grenzlinie.

Und wenn ich gerade so über Sicherheit sinniere, es ist wirklich bemerkenswert, wie intensiv die Jordanier ihre Straßen kontrollieren. Auf Highways, die weniger frequentiert sind als der Feldweg von Hintertupfing nach Klein Vorderwiesenbrück wird wirklich jedes Auto mindestens ein Mal auf 50 km Strecke herausgewunken und durchgecheckt. Außer… es sind Touristen an Bord. Wenn wer westliche Ausschauendes auf der Rückbank sitzt, wird sofort weitergewunken. Die Touris sollen ja nicht verschreckt werden, erklärt unser Chauffeur. Finde ich nett.

In Karak enterten wir zunächst als einzige Touris die Anlage. Erst nach und nach kamen weitere kleine Grüppchen mit Individualreisenden dazu. Oft getroffen hat man sich auf der recht großen Anlage aber kaum. Die Burg sitzt direkt auf einem steilen und damit eigentlich uneinnehmbaren Felsvorsprung. Von drei Seiten von einem tiefen Tal umgeben und ca. 1000m hoch. Die Römer konnten den Ort von den Nabatäern (siehe Petra) erobern. Später gehörte die Kreuzfahrerburg zum Königreich Jerusalem.

Zumindest bis kein geringerer als Saladin sie sich nach achtmonatiger Belagerung Untertan machte. Und weit bis Jerusalem hatte er es dann ja auch nicht mehr. Das Tote Meer war vom Castle aus nämlich schon klar und deutlich zu erkennen. Das Heilige Land ist eben einfach winzig.

Nachdem wir dann schließlich alles entdeckt hatten, ging es zurück zum Auto. Auf dem kommenden Streckenabschnitt wurde sofort klar, weshalb die Kings Road als landschaftlich so atemberaubend gilt. Wir überquerten nämlich das gigantische Wadi Mujib, den Grand Canyon Jordaniens. Dabei handelt es sich um eine riesige Schlucht, die ganz plötzlich den Weg der Kings Road von West nach Ost kreuzt. Letztlich bleibt nichts anderes übrig als aus der Hochebene hinab, über die Talsperre und wieder hinauf in die Berge zu fahren. Dabei gibt es beeindruckende Steigungen, Postkartenpanorama und qualmende Bremsen.

Im Tal des Wadis fließt übrigens der biblische Fluß Arnon.

Nach etlichen Stops für Fotopausen ließen wir schon bald Madaba rechts von uns liegen und fuhren den von Touristen wieder gut besuchten Mount Nebo an. Grundsätzlich ist der Nebo ein wundervoller Aussichtspunkt über Totes Meer, Jordantal und natürlich Israel. Wir konnten jetzt quasi genau die Strecke von der anderen Seite aus bewundern, die wir noch vor ein paar Tagen nach Eilat gefahren waren. Aber das war natürlich nicht der Grund für die unzähligen Touris, die sich rund um den Berg sammelten. Der Mount Nebo hat selbstverständlich – wie alles im Heiligen Land, sonst wäre es ja weniger heilig – eine enorme biblische Bedeutung:

Am gleichen Tage sprach der Herr zu Moses: „Steige auf das Gebirge Abarim hier, auf den Berg Nebo im Lande Moab, gegenüber von Jericho! Schau das Land Kanaan, das ich den Israeliten als Eigentum verleihen will! Sterben sollst du auf dem Berg, auf den du steigst, und dich zu deinen Stammesgenossen scharen, wie dein Bruder Aaron auf dem Berg Hor gestorben ist und zu seinen Stammesgenossen versammelt wurde!“(Deuteronomium 32, 48 – 50).

Und da, wo irgendwer aus der Bibel irgendetwas gemacht hat, da scharen sich auch westliche Pilgergruppen. Aber das ist ja legitim. Wir zumindest genossen den Berg eine Weile, dann ging es auch schon zum letzten großen Besichtigungspunkt: Das Städtchen Madaba. Dort gab es auf dem Boden einer orthodoxen Kirche das mehr oder weniger berühmte „Palästinamosaik“ zu bewundern. Eine byzantinische Karte, auf der das Heilige Land bis zum Nildelta dargestellt wird. Ziemlich spannend zumindest für einen Kartenfreak wie mich. Deswegen gönnten wir uns auch ein paar Minuten mehr, die Legende genau zu studieren und bekannte Orte zu entdecken.

Last but not least chauffierte uns der Fahrer noch zum archäologischen Museum in Madaba. Dort gab es zahlreiche weitere Mosaike zu bewundern. Nicht spektakulär, aber nett aufgemacht. Andere Touristen gab es hier übrigens keine (mehr).

Jetzt hieß es für uns nur noch nach Amman fahren und unser Hostel suchen. Unser Fahrer war übrigens ohne Karte, Navi und leider auch ohne Ahnung unterwegs. Auch sein Englisch war weit hinter dem von Bader anzusiedeln und auch sonst wirkte er wesentlich verplanter. Auch wenn er sich selbstverständlich große Mühe gab.

Lustig wurde es in der City von Amman auf jeden Fall. Wir wiesen ihn mehrfach darauf hin, dass Jordan Tower Hostel zu suchen. „Yes, yes, Jordan Towel“ hieß seine engagierte Antwort.

Ich hab ihm sogar mein Handy mit der Adresse gezeigt. Doch mehr als einen flüchtigen Blick war es ihm nicht wert. Wir lasen ihm diverse Male die eigentlich sehr einfache Wegerklärung vor. Auch die prallte an ihm ab.

„I think, this is the street.“

„No, Jordan TOWER is in Hashimi street.“

„So this is the Street.“

„No, that is King Mohammed Street. It is even written in English.“

„Look, is this Jordan Towel?“

„No, it is not. As it is written on the sign, it is Mariott.“

„And look, is this Jordan Towel?“

Wieder deutete er völlig randomly auf ein Schild. „No, that is the Desert Hotel. As it is written on the sign. Our hotel is right in front of the Roman theatre.“

„Is this jordan towel?“

„Do you see any Roman theatre around? So no, it is not. It is Hotel Amman.“

Wir fahren weitere Kreise im dichten Stadtverkehr. Hin und wieder fragt er die Leute nach dem legendären Jordan Towel. Sie können zum Glück etwas abstrahieren. Der Welpe weist währenddessen auf ein großes braunes Schild hin: „Here, the Roman thearte…“ Er aber reagiert nicht und fährt weiter seine Kreise. Und zeigt natürlich weiter rein willkürlich auf irgendwelche Schilder: „Jordan Towel?“

Irgendwann taucht tatsächlich auf der linken Seite ein kleines turmartiges Gebäude auf. Der Welpe ruft klar und bestimmend. „Stop. That is the Jordan Tower.“ Es bedarf einen Moment Überzeugungsarbeit, dann hält er. Wir bekommen noch lieb gemeinte Tipps unsere Sicherheit betreffend, dann verabschiedet er sich freundlich. Er wird noch ein paar Stunden auf dem Highway zurück nach Petra verbringen.

Und wir Köter sind bereit für ein neues Abenteuer: Amman. Wir freuen uns.

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