04.04.2016, Auf zum Norden der Welt

MädchenJerash

(Klobasaköter) Leider haben wir in Jordanien nicht die Zeit, die dieses wundervolle Land verdient. Um zumindest alle touristischen Highlights abzuhaken, fehlt den Kötern mindestens ein Reisetag. Und so müssen wir uns wohl oder übel entscheiden, ob es an diesem Montag Richtung irakische Grenze zu den Wüstenschlössern oder aber gen Norden zum römische Säulen bestaunen gehen soll. Letztlich hat die Tour in den Norden den Zuschlag bekommen. Immerhin gilt allein Jeresh, früher Geresa, als die absolute Nummer Zwei bei den Attraktionen Jordaniens.

Da unser wundervolles Towel Hostel verschiedene Touren mit eigenem Fahrer zu erträglichen Preisen im Angebot hat, machen wir uns erst gar nicht mehr die Mühe über eine eigenständige Tour per Public Transport nachzudenken. Zum einen wegen der zeitlichen Einschränkungen durch feste Fahrpläne, zum anderen wegen der zusätzlichen Ziele auf der angebotenen Tour, die mit Bussen einfach nicht drin wären.

Im vollen Frühstücksraum haben wir das Glück, schon ganz zufällig neben einer unserer späteren Mitfahrerinnen zu sitzen. Eine nette, alte Dame aus Australien. Alleinreisend. Alle Achtung.

Um Punkt acht Uhr geht es dann auch pünktlich los. Und ein junger, gemütlich wirkender Jordanier führt seine heutigen Reiseschäfchen, bestehend aus einer australischen Kinderärztin, einer kanadischen Lehrerin und zwei deutschen Kötern zu seinem Van. Ein paar Ecken weiter kletterten noch zwei Mädels aus Thailand auf die Rückbank.

Raus aus Amman gen Norden kämpfen wir uns durch den Verkehr. Bergige, vor allem aber bemerkenswert grüne Landschaften querend. Der April, beste Reisezeit. Bingo!

Leider kämpfen beide Köter recht schnell gegen die berühmte Backpacker-immer-wenn-sich-das-Fahrzeug-bewegt-Müdigkeit an und verlieren kläglich. Der Schlaf, bzw. die Tour dauert knapp zwei Stunden, dann stehen wir an der nördlichsten Ecke Jordaniens: Umm Qais.

Eine römische Ruinenstadt auf einem Bergrücken mit herrlichem Blick über den See Genezareth, nach Tiberias und die Golanhöhen bis zum Mount Hermon. Weiter rechts, keine 30 km weiter beginnt Syrien. Wir können es deutlich sehen. Die Grenze ist schon ausgeschildert. Selbst nach Damaskus sind es nicht viel mehr als 100 km. Wir finden das geil.

Die Köter streunen eine Weile durch die Ruinen. Zeitgleich mit einer Gruppe jordanischer Schülerinnen. Aber wir sind offensichtlich die viel größere Attraktion. Alle begrüßen uns und wollen ihre Englisch-Kenntnisse an uns testen.

Unser Guide hat uns eine Stunde für das entspannte Umherschlendern eingeräumt, dann sammeln wir uns langsam wieder am Van. Und weiter geht es, wieder langsam Richtung Süden. Nächstes Ziel die mamlukische Burg Aijun, die wir ganz sicher nicht eigenständig angesteuert hätten. Den Eintritt zu der gut erhaltenen Festung auf dem nächsten wundervollen Bergrücken müssen wir einmal mehr – genau wie die Ruinen von Umm Qais – nicht bezahlen. Weil die Köter ja den Jordan Pass besitzen!

Obwohl gerade ich anfangs noch sehr skeptisch ob dieser doch ungeheuren Investition bin, muss ich den Pass jetzt eindringlich weiterempfehlen. Es rechnet sich tatsächlich. Schon allein durch den Wegfall der 56 Euro Visa-Kosten und den 50 Euro Eintritt in Petra. Aber auch wenn wir die letzten drei Tage Besichtigungen zusammenzählen, haben wir uns sicherlich noch einmal 50 bis 60 Euro an Eintrittsgeldern gespart. Also, angehende Jordanien-Urlauber, schafft euch das Teil an. Ein Geheimtipp! 😉

Auch auf der Burg Qala’at ar Rabat in Aijun gibt es rund eine Stunde Aufenthalt für unsere illustre Truppe. Hier erwartet uns schließlich die ultimative Rockstar-Experience. Denn zusammen mit uns sechs Touristen besichtigt eine ganze jordanische Schule die Festungsanlage. Übrigens wieder mit grandiosem Ausblick vom See Genezareth über das Jordantal bis hin zum Toten Meer.

Die vorwiegend Mädels zeigen sich ganz entzückt von uns und wirklich alle wollen zumindest kurz hallo sagen oder gar mit uns sprechen. Besonders beliebt: „What is your name? My name is…“ und dem wirklich seit Tagen allgegenwärtigen „Welcome to Jordan“. Dazu gibt es natürlich noch gemeinsame Fotos. Klar. Der Lärmpegel ist währenddessen unbeschreiblich. Kinder sind einfach laut. Und alle gleich. Wichtigste Beschäftigung der Mädels natürlich auch in Jordanien: Selfies machen. Vor der Burg, vor dem Ausblick, auf der Treppe, mit den Touristen. Handys sind auch hier aus dem Alltag nicht wegzudenken. Und Facebook natürlich. Die liberale Einstellung vieler Jordanier lässt sich übrigens auch daran ablesen, dass mindestens ein Drittel der Mädels kein Kopftuch trägt. Der Star unter den Teenies war letztlich das Mädel mit der ganz lässigen Kurzhaarfrisur. Anhand ihres Ganges ließ sich Etliches erkennen, sie übt schon für ihr Casting bei der jordanischen Heidi. Die Begeisterung der Kiddies war fast rührend. Und schön zu sehen, dass sich alle Kinder und Jugendlichen dann doch so unglaublich ähnlich sind.

Nachdem wir dann alle Gänge und Geheimgänge der Burg erkundet haben, ebenso wie den Panoramablick über das Heilige Land, geht es zurück in unseren Van. Nächste Station Anjara. Eine kleine christliche Mission auf einem Felsen. Aber nicht irgendeinem Felsen, sondern dem Felsen, auf dem die Jungfrau Maria mit dem Jesuskind gerastet hat, respektive haben soll.

Vor ca. 50 Jahren wurde in einer auf dem Felsen erbauten Kapelle schließlich eine aus Italien kommende Marienstatue abgestellt, die doch tatsächlich vor sechs Jahren angefangen hat, Blut zu weinen. Noch aber laufen die Untersuchungen, ob es sich tatsächlich um ein offizielles, sprich von der katholischen Kirche abgesegnetes Wunder handelt oder leider nur um einen heiligen Irrtum. Der Papst war schon zur Klärung vor Ort.

Eines der Kinder aus der Missionsschule führt uns kurz und unentgeltlich herum. Obwohl wir bei dem Begriff Mission alle erst extrem kritisch reagieren, zeigt sich bei genauer Auseinandersetzung mit den Ideen der Schule allerdings, dass hier wirklich gute und kooperative Ansätze verfolgt werden. Es werden christliche sowie muslimische Familien unterstützt und unterrichtet. Für die muslimischen Kinder gibt es nur eben gesondert islamischen Religionsunterricht. Auch die medizinischen Hilfeleistungen und Projekte werden immer konfessionsunabhängig angeboten. Eine wirklich Missionierung soll nicht stattfinden, sondern vielmehr das Praktizieren eines Miteinanders der verschiedenen Religionen.

Last but not least kriechen wir zurück in unseren Van und steuern endlich das eigentliche Tageshighlight an: Die Römerstadt Gerasa, heute Jerash. Nicht allerdings ohne uns noch einmal vorher kollektiv mit günstigem Shawerma (eine Art besserer Dürüm) zu stärken. Dann geht es auch schon in die nächste römische Ruinenstadt. Die Sonne brennt jetzt allerdings am Rande des Erträglichen.

Die Köter streunen eine Weile auf der Suche nach den besten Bildchen umher und haben innerhalb von nur wenige Tagen Jordanien ein klares Overload was römische Theater angeht. Offenbar stehen die Dinger hier überall herum und zwar gut erhalten.

Schön in Jerash ist definitiv, dass die Besucher noch überall herumklettern und erkunden dürfen. Es gibt keinerlei Absperrungen. Zwischen den Säulen grasen immer wieder Ziegen. Es hat etwas wunderbar Ursprüngliches.

Ganz allmählich aber wird die Anlage im Schein der Abendsonne leerer und auch wir Köter machen uns langsam von dannen. Am Ausgang besorgen wir uns noch schnell zwei ganz dünne weiße langarmige Hemden (wegen unserer anstehenden Wüstentour) für knapp 12 Euro/2 Hemden und warten bei unserem Fahrer auf den Rest der Bande. Zufrieden döst der Köter noch eine Weile auf der Rückfahrt vor sich hin, bevor der Wagen auch schon wieder vor unserem schönen Jordan Towel hält.

Hier geht es für die staubigen Köter unter die Dusche und mit den neuen schnieken Hemden in die Lobby. Zum Schreiben, essen und planen der nächsten Tage. Per Telefon kommunizieren wir kurz mit dem nächsten Hostel und dem Veranstalter der Wüstentour, um dann schließlich alle weiteren Planungen auf WhatsApp zu verlegen. Einfach geil, wie unkompliziert vieles damit geworden ist. Allerdings zeigt es auch, wie abhängig wir längst von unsren Smartphones und dem Internet sind. Und zwar überall auf der Welt.

Jetzt wird es allerdings auch Zeit, den Bericht mal Bericht sein zu lassen und noch schnell ein erfrischendes Kaltgetränk auf der Dachterasse zu trinken. Dann geht es ins Bettchen. Einmal mehr wird unser Wecker viel zu früh klingeln. Aber wat mutt, dat mutt, immerhin wollen wir morgen im Roten Meer Schnorcheln gehen!

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