Al Faisaly FC – That Ras 1:1 (1:0) (1. Liga Jordanien, 04.04.2016, Amman International Stadium)

Alfaisaly

(Klobasaköter) Nach dem ausgiebigen Besuch des wunderbaren Jordan Museums bleibt den Kötern noch genug Zeit, um zum Hostel zurückzugehen, zu essen und dann gemütlich ein Taxi zum Hauptquartier der Jordan Football Association, um unsere Tickets abzuholen. In der Theorie. In der Praxis verlaufen sich die Köter schon wieder und düsen in die völlig falsche Richtung los. Die Köter merken das erst gar nicht. Aber wo sind die Märkte? Die Straßen werden immer gammeliger und gammeliger. Das kann doch nicht richtig sein.

Irgendwann beschließen wir ein Taxi zu nehmen, das uns zurück zum Jordan Museum und weiter zu unserem Hostel bringt. Für einen ganzen Dinar. Leider reicht die Zeit nur noch für ein Stück Pizza vom Take Away-Stand gegenüber und dann müssen wir unseren Hostelwirt auch schon nach einem Taxi fragen. Denn auf dem Hinweg haben wir gemerkt, dass die meisten Taxifahrer nicht gut Englisch sprechen. Er schreibt uns dann auch etwas auf Arabisch auf einen Zettel und nach einigem Warten am Straßenrand sitzen die Köter sicher im Taxi auf dem Weg zum Amman International Stadium. Er lässt uns auch genau da raus. Aber von dem Headquarter keine Spur. Die Menschen, die wir fragen, sind zwar sehr freundlich und unglaublich hilfsbereit, sprechen aber leider auch alle kein Englisch. Wir werden hierhin und dorthin geschickt, bis wir schließlich vor dem Eingang zur Haupttribüne stehen. Aber ohne Tickets und ohne Akkreditierung, Leibchen oder sonst irgendetwas, das uns als Journalisten ausweist. Bald schon hat sich eine hilfsbereite Traube von Menschen um uns gesammelt, angeführt vom Capo der dortigen Fanszene. Aber so recht weiß jetzt trotzdem keiner, wie uns deutschen Touris zu helfen ist. Immer wieder diskutieren und telefonieren die herum. In den Pausen ihrer Überlegungen macht der Capo immer mal wieder Werbung für seinen Club und wirbt dafür, dass wir ja seine Kurve fotografieren, wenn wir es denn ins Innere des Stadions schaffen.

Die Task Force Random Köter besteht alsbald aus einem Ultra, einem Journalisten, einem Offiziellen von Al-Faisaly und einem Sicherheitsmann. Wirklich einig werden sie sich nur leider nicht.

Irgendwann kommt dem Welpen der rettende Gedanke. Er zeigt den hilfsbereiten Menschen die Email, zur unserer Akkreditierung. Und siehe da, es findet sich darin eine Telefonnummer. Abrakadabra – Fix wird angerufen und anscheinend wurde jetzt alles geklärt, denn wir werden endlich nach Innen gebeten. Durch den Presseeingang. Der Capo bittet ein letztes Mal, dass wir auch ja die Kurve abfotografieren und zieht freudig von dannen.

Wenige Minuten vor dem Einlaufen der Teams sind wir schließlich im Innenraum. Die Show konnte also beginnen.

In praller Sonne nahmen wir schließlich neben den örtlichen Journalisten Platz, smalltalkten kurz und genossen den wirklich entspannten Kick. Und natürlich die Länderpunkte zehn, respektive dreißig. Sportlich ist das Spiel unspektakulär. Die Gastgeber zunächst besser, aber so richtigen Zug zum Tor hatten sie nicht. Es plätscherte ein wenig vor sich hin. Aber es sah immerhin wie Fußball aus. Wenn ich da an den Qualifikations-Kick Palästina versus Osttimor denke, eine glasklare Verbesserung. Al Faisaly ist übrigens der älteste und der erfolgreichste Verein Jordaniens. Mehr finde ich über Fußball in Jordanien auf die Schnelle und mit dem mäßig-schnellen Hostelinternet gerade nicht raus. Ich bin lediglich auf die glorreiche WM-Bilanz des jordanischen Fußballs gestoßen, die ich hier kurz und mitleidig wiedergeben muss: Bis 1982 hat Jordanien gar nicht teilgenommen, ab 1982 war Jordanien einfach nie qualifiziert. Kein Wunder, dass in diesem Land zwar alle ganz offenkundig Fußballfans sind, aber ihre geliebten Teams eben nicht Jordanien, Al Faisaly oder That Ras heißen, sondern leider FC Barcelona und Real Madrid. Recht eindrucksvoll wurde das am Vortag belegt: Schon unser persönlicher Fahrer war den ganzen Tag aufgeregt, weil am Abend das große Clasico ins Spanien steigen sollte. Auch im Radio – ich spreche zwar kein Arabisch, aber Real und Barca sind ja Universalsprache – gab es kein anderes Thema mehr. Und als wir schließlich total erschlagen im Bettchen lagen, hörten wie die Massen laut mit Real jubeln. Inklusive Autokorso.

Wie schon erwähnt, beim Support ihrer eigenen Mannschaften zeigen die Jordanier leider weit weniger Enthusiasmus. Das Amman International Stadium blieb bis auf den kleinen Fanblock und ca. drei Sitzreihen davor komplett leer.

Die Ultras hatten zumindest ein paar schöne melodische Lieder im Repertoire, begannen aber leider sich nach ca. 20 Minuten zu wiederholen.

Sportlich gibt es bis auf ein Abseitstor und schließlich das bis dahin verdiente 1:0 für den Gastgeber nicht viel zu berichten. Springen wir also in die Pause. Die Köter wanderten einmal ums weite Rund, als sich neben der Haupttribüne ca. 30 Personen neben der Anzeigentafel sammelten, nach Mekka ausrichteten und zu beten begannen. Ein kurioser und bis dato nie erlebter Anblick.

Pünktlich zum Anpfiff der zweiten Halbzeit saßen wir schließlich auf der anderen Spielfeldseite und genossen die Abendsonne. Das Spiel noch immer entspannt. Der Gegner aus Al-Karak (der Ort mit der Kreuzritterburg, Randomköter hat berichtet) That Ras wurde schließlich etwas stärker und erkonterte sich nicht ganz unverdient den Ausgleich. Danach wurde es minimal hitziger und die Fans bewegten sich ein paar Stufen hinunter zum Pöbeln.

Das Spiel endete schließlich 1:1. Ganz klar kein gutes Ergebnis für den Tabellenzweiten. Die Fans sammelten sich zum obligatorischen Gepöbel am Spielertunnel. Die Köter bewunderten das noch einen Moment, dann machten auch sie sich wieder auf gen Innenstadt. An einer Hauptstraße nahe des Stadions trieben wir recht fix ein Taxi auf und für wenig Geld standen wir wieder vor unserem Towel Hostel.

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