05.04.2016, Unterwasserleben

DSCN0019(Klobasawelpe/Klobasköter) Der Morgen startet mal wieder unglaublich früh. Warum tun wir uns das eigentlich immer wieder an? Um halb sechs klingelt der Wecker! Warum tun wir uns das nochmal an? Ach ja, wir wollen ja möglichst früh nach Aquaba, um dort zu schnorcheln. Also müssen wir wohl oder übel das warme Körbchen viel zu früh verlassen und schaffen es doch tatsächlich, nur gut eine halbe Stunde später am Busbahnhof zu sein.

Tatsächlich lungert nämlich gerade, als wir aus dem Hostel purzeln, ein motivierter Taxifahrer an der Straße herum. In einer Wahnsinnsgeschwindigkeit rast er zur extra Haltestelle für die Überlandbusse der Marke JETT.

Das Ticket ist schnell gekauft (7,20 Dinar/Person = knapp 9 Euro) und dann heißt es auf den Bus warten. Die Dreiviertelstunde aber zieht sich. Dabei wollen die Köter doch einfach nur schnell weiter schlafen. Als der Bus endlich da ist (die wenigen Touristen, die mit uns gewartet haben, wollten dann doch alle lieber in den Bus Richtung Petra) schlafen die Köter auch schnell ein. Sie sind die einzige Touristen im sonst gut gefüllten Gefährt.

Die Fahrt führt uns diesmal über den berühmten Desert-Highway an die Südspitze Jordaniens. Von der Fahrt, die ein gutes Stück durch die Wüste führt, bekommen wir zunächst nicht viel mit. Zu müde sind die kleinen Köter. Aber irgendwann werden wir aus unserem Schlaf gerissen. Eine der schon früher erwähnten Polizeikontrollen. Dass die hier auch Busse kontrollieren, war mir bisher unbekannt. Also Pässe raus und nach einer Weile geht es weiter.

Wir schlafen schließlich unbekümmert weiter. Als wir uns zumindest ein wenig berappeln, ist die eintönige Steinwüste einer traumhaften Landschaft aus 1001 Nacht gewichen. Wir passieren gerade die Landschaft rund um das Wadi Rum. Hohe Berge und zerklüftete Felsen, die aus dem feinen Wüstensand ragen. Es ist wunderschön. Und gleicht dem Wüstenplaneten Tatooine.

Als Saudi Arabien schon an der Straße ausgeschildert steht, wird unser recht gammeliger Reisebus ein weiteres Mal von der Polizei rausgezogen. Wieder müssen wir unsere Pässe hervorkramen und wieder wird bei uns Touris desinteressiert abgewunken. Der Köter sinniert gerade über den Sinn dieser Kontrollen, da folgt eine arabische Ansprache und alle stürmen hinaus.

Wir fühlen uns einfach mal nicht angesprochen und der Welpe will schon wieder einschlafen, da

aber lehnt sich ein älterer Mann zu uns und erklärt: Gepäckkontrolle. Also zu früh gefreut. Da der Welpe seinen Rucksack unten im Gepäckfach hat, muss er nun nach draußen und ihn durchleuchten lassen. Das Ganze zieht sich so, dass wir am Ende mit fast einer dreiviertelstunde Verspätung in Aquaba ankommen. Die Versuche, unser Hotel zu erreichen und über die Verspätung zu informieren, misslingen allerdings. Blöd für den Fahrer, der vom Hotel geschickt wurde uns einzusammeln.

Kaum verlassen wir den Bus, werden wir auch schon von einem freundlichen Mann begrüßt, der ein Schild mit dem Namen des Köters hochhält.

Und so lassen sich die Köter stylisch zu ihrem Hotel fahren. Das Adventure Divers liegt am Südstrand nur zehn Kilometer von der saudi-arabischen Grenze entfernt. Das Hotel wird momentan vom neunzehnjährigen Sohn des Besitzers geführt, der uns unglaublich freundlich am Eingang begrüßt. Wieder sind wir die einzigen Touristen und so haben wir für schlappe 26 Dinar ein Doppelzimmer mit Bad, die Terrasse und den Pool mit Blick aufs Rote Meer bis nach Ägypten ganz für uns allein.

Eigentlich wollten wir ja nur Schnorcheln, vor Ort erfahren wir allerdings, dass eine Runde Tauschen mit Flasche nicht viel mehr als 25 Dinar kosten soll und greifen zu. Das ist die Gelegenheit, einmal richtig tauchen zu gehen. Ein Muss für jeden echten Backpacker, oder etwa nicht?

Einen Tauchschein erhalten wir nach der Tour natürlich nicht, dafür sind wir aber die einzigen in der Gruppe und kommen so in den Genuss eines privaten Tauchvergnügens.

Ein arabischer Sunnyboy stattet uns mit Neoprenanzügen und Schuhen aus und kurz entschlossen entscheidet sich auch der junge Manager noch mitzufahren. Also geht es im charmant verrosteten Minibus an den Strand. Der Bus hat etwas hippiesques und die Köter fühlen sich pudelwohl. Der Bus ist klapprig, der Innenraum fast komplett mit Sand bedeckt. Fehlen nur noch die Surfbretter. Aber nein, wir wollen ja tauchen gehen. Am Privatstrand angekommen verlässt gerade eine weitere kleine Tauchgruppe mit drei Touristen das Wasser. Ansonsten ist aber nicht viel los. Wie so oft in Jordanien wirkt es alles etwas verlassen. Uns soll es egal sein.

Wir bekommen am Land eine ganz kurze Einführung ins Equipment, dann wird sich auch schon angerödelt und ab geht es ins Wasser. Die 100 m Fußweg mit Gewichten und Flasche sind hart, aber wir Köter managen es souverän. Im Wasser folgt dann Einweisung Nummer zwei. Flossen und Brille werden angelegt und jeder der beiden Tauchguides betreut ab sofort einen der Köter ganz persönlich.

Wichtigste Trockenübungen sind zunächst: Druckausgleich, Wasser aus der Maske entfernen und das Sauerstoffmundteil anlegen. Alles unter Wasser versteht sich. Zugeschaut und nachgemacht. Dann geht es richtig los. Wir sparen es uns, noch einmal aufzutauchen und steuern direkt die Korallenriffe an.

Das Rote Meer gilt übrigens als eines der schönsten Tauchreviere der Welt. Ziemlich genial also. Und ganz klar, dass wir dieses kleine Abenteuer eingehen müssen. So als echter Backpacker gehört Tauchen doch dazu.

Die ersten Minuten sind irgendwie komisch. Immer am Rande der Orientierungslosigkeit und begleitet von der steten Angst, etwas nicht hinzubekommen. Der Guide direkt neben mir aber gibt Sicherheit. Immer wieder fragt er per Handzeichen, ob alles klappt. Und tatsächlich, der Druckausgleich ist schnell nötig und funktioniert. Auch das sofort einlaufende Wasser bekomme ich aus der Brille. Ich konzentriere mich also auf die Atmung und darauf, nicht immer sofort wieder hochzutreiben. Nach einer Weile aber klappt alles irgendwie und mein Guide führt mich über die Riffe. Ich habe langsam die nötige Ruhe, um mir die Unterwasserwelt genau anzuschauen. Sie ist wunderschön. Grundsätzlich ist der Blick aus dem Wasser heraus genial und schwer zu beschreiben. Das Wasser ist herrlich klar und warm. Unsere Guides haben Unterwasserkameras dabei und fotografieren.

Während der Köter immer besser klarkommt und sich über das stetige Lob des Guides freut, hat der arme kleine Welpe aber zunehmend Probleme mit seinem Druckausgleich. Irgendwie funktioniert es nicht. So muss der Köter schließlich alleine auf dem Grund liegen und herumtauchen.

Der Welpe darf leider nicht so tief, muss immer mal wieder an die Oberfläche und gibt schließlich ganz auf. Der Druck lässt nicht nach und die Kopfschmerzen wachsen.

Der Köter bemerkt nur, dass der Welpe verschwunden ist, aber so richtig hat er eh noch nicht den Überblick im Wasser. Ohne Guide wäre er wohl nach Saudi-Arabien abgetrieben.

Nach einer knappen Stunde ist auch der Köter mit seinem ersten Tauchgang fertig und fasst wieder Fuß am Meeresufer. Begeistert von der wundervollen Erfahrung und ein wenig in Sorge um den armen kleinen Welpen. Hatte doch eben dieser sich so extrem auf das Tauchen gefreut.

Ganz unverhofft winkt uns kurz nach dem Ablegen des schweren Equipments eine Gruppe jordanischer Frauen herüber. Sie wollen, dass wir mit ihnen essen. Es gibt jede Menge Reste, die verputzt werden müssen. Wir sind begeistert und schlagen gerne zu. Denn tatsächlich haben die Köter fast gar nichts mehr zum Essen und das einzige Restaurant in der Umgebung ist teuer. Die Aussicht für knapp 8 Euro in die City zu fahren, dort zu essen und wieder für 8 Euro ins Ressort zu pendeln, erscheint sinnlos und teuer. Somit ist die Einladung pures Glück. Es gibt selbstgemachte Weinblätter, gefüllte Paprika, gebratene Tomaten. Und es schmeckt einfach nur toll. Unsere Guides warten geduldig, bis wir fertig gegessen und gesmalltalkt haben, dann geht es mit dem Schrottbus wieder zurück in unser Diving Resort Hotel. Noch immer ist kein anderer Besucher zu sehen. Ganz offensichtlich sind wir die einzigen Gäste.

Nach dem Ablegen der Neoprenanzüge springen die Köter noch einmal in den Pool, anschließend verbringen sie den ganzen Abend bei wundervollen 30 Grad auf der Sonnenterrasse mit Blick auf das Rote Meer und Ägypten. Aus dem Cola-Automaten fällt noch ein Kaltgetränk ab, das seit einem Jahr abgelaufen ist (aber man schmeckt es zum Glück nur ein wenig) und es gibt unsere letzten Proviantreste zum Dinner: Alte Pistazien, altes Brot und alte Tomaten. Nicht wirklich geil, aber die Köter sind arm. Immerhin kostet unser Transfer nach Wadi Rum morgen 25 Dinar. Eigentlich zu viel. Wir hätten besser die Hitchhike-Variante wählen sollen, aber etwas mehr Schlaf heute Nacht und die Möglichkeit noch im Hotel ausgiebig zu frühstücken, waren einfach zu verlockend. Wir gönnen uns halt was. Jetzt sitzen wir noch immer am Pool. Drüben auf der anderen Seite des Golfs von Aquaba leuchtet schon Ägypten. Der Welpe liest, während der Köter das Tippen übernommen hat. Es ist ruhig. Warm. Wunderschön atmosphärisch. Jordanien bleibt ein kleiner Traum. Gute Nacht.

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