06.04.2016 Wadi Rum, Teetrinken mit T.E. Lawrence

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(Klobasawelpe) An diesem Morgen dürfen die Köter ausschlafen. Gefühlt. Jedenfalls klingelt heute der Wecker erst um halb acht. Um acht gibt es Frühstück und danach lassen wir uns entspannt in die Wüste chauffieren. Aber die Köter wären keine Köter, wenn sich nicht wenigstens ein Teil dieses grandiosen Plans verzögert.

Die Köter stehen brav um acht Uhr auf der Matte. Aber von unserem charmanten Hotelmanager Narvi keine Spur. Gut, wir saßen gestern Abend noch eine Weile zusammen. Aber Wein ist da nicht geflossen. Hat er die Moskitos noch schlechter vertragen als wir?

Um viertel nach acht kommt er völlig verschlafen aus seinem Zimmer geschlurft. „Give me five minutes.“

Aus den fünf Minuten werden zehn und noch immer ist unser wunderbares Frühstück nicht in Sicht.

Irgendwann taucht ein Mann auf und stellt sich als unser Taxifahrer vor. Wir bitten ihn noch kurz zu warten und nach weiteren zehn Minuten geht er selbst in die Küche. Das scheint geholfen zu haben, denn prompt erscheint Narvi mit unserem Frühstück. Wir schlingen es im Schnellverfahren hinunter und nicht viel später sitzen wir im Taxi auf dem Weg nach Wadi Rum. Bevor wir aber endgültig den Weg in die Wüste einschlagen, müssen wir noch bei einer Apotheke anhalten. Die Moskitos gestern Nacht waren grausam und laut Narvi sind die im Wadi Rum doppelt so groß. Also heißt es einkaufen: Eine Salbe, die Mücken abhalten soll und natürlich etwas um den unerträglichen Juckreiz zu lindern.

So ausgestattet geht es dann aber endlich los in Richtung Desert Highway.

Allein die Fahrt ist spektakulär. Den ersten Teil über den Highway durch die Berge kennen wir noch von unserer Fahrt mit Bader. Irgendwann biegen wir nach rechts ab in die Wüste. Ein paar Strommasten und Felsen, soweit das Auge reicht. Und natürlich die Straße. Nach einer Weile überqueren wir Eisenbahnschienen und ich muss sofort an Lawrence von Arabien denken.

Die Fahrt dauert nicht lang und schon bald fahren wir durch das Dorf Rum. Etwas heruntergekommen ist es ja schon. Die wenigen Häuser sind genauso gelb-braun wie der Sand. Die Straßen sind staubig und die Jeeps, die herumstehen, zerschrammt und mit Dellen. Zwischen den Häusern spielen dreckige Kinder mit den herumstromernden Katzen, Hunden und Kamelen. Kurz: Genau der richtige Ort für den Köter und den Welpen.

Das Auto hält und wenig später sitzen die Köter in einem der Häuser und sind mit Tee versorgt.

Nur leider kann der Welpe weder den begeisterten Erzählungen eines deutschen Pärchens, das gerade von einer Tour zurückgekommen ist, lauschen, noch den Tee genießen.

Denn der Welpe muss ganz dringend mal wo hin und bevor es in der Wüste gar nichts mehr gibt außer Büschen, lässt er sich lieber hier die Toilette zeigen.

Sie stellt sich wieder als ein Loch im Boden heraus. Aber das war hier nicht anders zu erwarten. Es ist immerhin besser als ein Busch in der Wüste und an die Duschen, die es hier statt Toilettenpapier gibt (im Englischen tragen die übrigens den wunderschönen Namen „bumgun“) bin ich ja schon gewöhnt.

Was der kleine Welpe nicht ahnen kann ist, dass es überhaupt keine Bumgun gibt. Völlig traumatisiert kehrt er nach gefühlt einer halben Stunde zurück, um dem großen Köter sein Leid zu klagen. Dieser Moment wird als das „Gießkannentrauma“ in unsere Reiseannalen eingehen. Was es also statt Klopapier und Bumgun gab, kann sich jeder selbst denken. Nur soviel: Es gibt einen Grund, warum die Araber nicht mit der linken Hand essen und sie als unrein gilt.

Aber genug vom Gießkannentrauma. Wir buchen unsere Tour und los geht’s in die Wüste.

Eine Dreiviertelstunde führt ein Einheimischer unsere Kamele durch die Wüste, damit wir uns einmal wie Lawrence von Arabien fühlen können. Der Start der Tour beginnt spektakulär. Vorbei an den Sieben Säulen der Weisheit, einer Felsformation, die Lawrence von Arabien so getauft und sein Buch nach ihnen benannt hat, geht es immer tiefer hinein in die Wüste.

In unserer Kopfbedeckung fühlen wir uns wie echte Einheimische, oder wenigstens wie irgendwelche Forscher und Entdecker. Die Touristen, die in Jeeps an uns vorbei fahren und den Anblick der Köter auf den Kamelen mit ihren Kameras festhalten, lassen das Ego der Köter ins Unermessliche wachsen. Bis die Tour zu Ende ist und es ans Absteigen geht. Da macht nämlich keiner von uns besonders elegante Figur. Vielleicht haben uns die Touristen also nur fotografiert, weil wir so erbärmlich aussahen? Nein bestimmt nicht.

Der nächste Teil der Tour ist etwas einfacher für den gemeinen Köter, denn wir teilen uns einen Jeep mit zwei sehr netten Amerikanerinnen, die sich als Trina und Megan vorstellen. Unser Führer heißt Mujab und ist laut den beiden Deutschen der beste Koch und Musiker im ganzen Nahen Osten. Das klingt doch nach einem Plan. Also rauf auf die Ladefläche des Jeeps, auf dem schon unsere Rucksäcke liegen und nichts wie ab in die Wüste.

Erster Stopp ist die Lawrence Spring. Angeblich hat Lawrence an dieser Quelle die Kamele seiner Armee gewaschen und sie trinken lassen. Zusätzlich gibt es einige nabatäische Inschriften zu bewundern und Beduinenzelte, wo uns Tee angeboten wird und wir typische Produkte und Handarbeiten kaufen können. Zumindest diejenigen unter uns, die Geld haben…

Und weiter geht unsere Reise im Jeep. Ich muss sagen, der Jeep ist eine tolle Art zu reisen. Durch den Fahrtwind wird es nie zu heiß und wir haben genug Zeit, um die spektakuläre Landschaft um uns herum in Ruhe zu genießen.

Bis zum Mittagessen halten wir noch bei einem Canyon, mehreren sehr interessanten Felsformationen (genau genommen einer Brücke und einem Pils) und diversen Aussichtspunkten.

Man könnte denken, dass wir bis zum Mittagessen einen Overload an Felsen und Sanddünen haben, aber die Köter können sich gar nicht satt sehen an dieser wunderschönen Wüstenlandschaft.

Halt machen wir schließlich am „Lawrence House.“ Vom Haus sind nur noch ein Paar random Felsblöcke übrig, aber uns reicht ja die Vorstellung, dass T.E. Lawrence hier 7-8 Monate gelebt hat. Außerdem gibt es wieder ein sehr einladendes Zelt, wo wir herzlich willkommen geheißen werden. Während Mujab verschwindet, um über dem Feuer unser Essen zu kochen, lassen wir uns den „Bedouine Whisky“ (Tee) und Kekse schmecken und dösen eine Weile vor uns hin, bis Mujab uns irgendwann das Essen serviert. Was für ein Service. Und das mitten in der Wüste.

Das Essen hält, was die beiden Deutschen versprochen haben: Arabischer Salat, Joghurtsalat, Thunfisch, Brot und ein Gericht aus Tomaten, Gemüse und Corned Beef. Es ist viel zu viel, um alles zu essen und eigentlich könnten alle noch ein zweites Nickerchen gebrauchen.

Aber es gibt noch viel zu sehen. Also rein in den Jeep und weiter.

Diesmal besteht übrigens keine Gefahr, dass der Köter dehydriert. Abgesehen von kleinen Wasserflaschen, hat jeder noch eine große bekommen, die am Anfang komplett gefroren war. Der Inhalt taut im Laufe des Tages langsam auf, sodass man immer genug Wasser hat.

Der zweite Teil der Tour beinhaltet noch drei besondere Highlights. Das erste ist eine große Sanddüne, die man erklettern kann. Wenn man will, kann man sogar mit einem Sandboard wieder runter fahren. Die Köter verzichten auf dieses Erlebnis und sehen zusammen mit Megan zu, wie Trina sich mit dem Brett abmüht. Wieder unten angekommen, fasst sie das Erlebnis mit den Worten: „So much effort for just a few seconds speed“ zusammen. Also scheinen wir nicht viel verpasst zu haben.

Weiter geht’s zu einem Canyon. Hier lässt uns Mujab aus dem Jeep. Wir sollen durch den Canyon wandern. Er trifft uns auf der anderen Seite. Zuerst etwas skeptisch machen wir uns auf den Weg. An dieser Stelle darf man übrigens das Babykamel nicht vergessen, das direkt vor dem Eingang zum Canyon mit seiner Mama steht und unglaublich süße Geräusche macht. Mujab hat uns kurz vorher erzählt, dass ein Kamel so etwas wie die eierlegende Wollmilchsau ist. Es kann unheimliche Lasten tragen, braucht weder viel Futter noch viel Wasser und produziert Fleisch, Haar, Fett und Milch. Angeblich kann man allein von der Kamelmilch in der Wüste monatelang überleben.
Dann wäre das ja geklärt. Sollten wir uns verlaufen und Mujab nie wieder finden, fangen wir einfach die beiden Kamele, behalten das Kleine und überleben durch die Milch der Mutter bis wir irgendwann wieder hinausfinden.

Die Wanderung stellt sich dann aber doch als recht kurz heraus. Bis auf eine kurze Kletterpartie etwa in der Mitte ist sie leicht zu bewältigen und man wird durch eine angenehm erfrischende Kühle belohnt und sogar etwas Grün.

Das letzte große Highlight ist wohl der Sonnenuntergang. Während wir vier auf einem Felsen sitzen und auf den Sonnenuntergang warten, entzündet Mujab unten ein kleines Feuer und bereitet uns Tee.

Gemütlich sitzen wir oben, trinken unseren Tee, unterhalten uns mit Mujab und machen Yoga. Beziehungsweise Trina macht Yoga. Wir anderen schauen ihr dabei zu und ermuntern sie zu immer gewagteren Posen. Schließlich macht man nicht oft im Leben Yoga auf einem Felsen in der Wüste. Bei Sonnenuntergang. Aber auch Trina kann Mujab nicht toppen, der ihre ganze Yogaleistung mit einem Kopfstand auf dem Felsen in den Schatten stellt.

Viel zu schnell ist die Sonne verschwunden und wir alle sitzen wieder im Jeep für die letzte Tour an diesem Tag. Jetzt ist der Fahrtwind nicht mehr angenehm kühl, sondern kalt. Auch hier wirkt unsere Kopfbedeckung wieder Wunder. Denn sie wärmt nicht nur die Ohren, sondern dient gleichzeitig auch als Schal.

Zum Glück sind wir bald im Beduinenlager und Mujab zeigt uns unsere Zelte. Sie sind mit allem Komfort ausgestattet, den ein westlicher Tourist braucht. Das heißt vor allem Steckdosen für die Handys und ein richtiges Bad mit Toiletten und Duschen.

Also geben wir uns alle eine halbe Stunde dem westlichen Luxus hin und dann geht es zurück, um ohne Zivilisation am Lagerfeuer ein Abendessen zu genießen.

Das Abendessen ist insgesamt noch einmal ein Erlebnis für sich. Gemütlich auf Matten liegen wir um das Lagerfeuer und lauschen den Klängen einer Laute und einer Trommel, die zwei der Guides perfekt spielen. Zum Essen gibt es diverse Salate, Brot, Suppe und Zarb. Das ist ein traditionelles beduinisches Essen, an anderen Orten im Nahen Osten auch Mandi genannt. Gewürztes Hühnchen, Zwiebeln und Kartoffeln werden unterirdisch mehrere Stunden lang gegart. Die Bedouinen holen das Essen mit einer Schaufel aus einem Loch im Boden und als die Alufolie abgezogen wird, ist das Essen so unglaublich köstlich, dass es einem fast Leid tut, dass das Mittagessen schon so reichlich ausfiel.

Der Abend klingt entspannt aus, Kerzen werden entzündet. Langsam brennt das Lagerfeuer herunter und wir können entspannt in den Himmel schauen. Leider sind nicht ganz so viele Sterne da wie erwartet, was wohl an dem Dunst liegt, der am Abend aufgezogen ist. Nach und nach gehen alle schlafen und irgendwann ist niemand mehr wach außer dem Köter und mir und natürlich den Guides, von denen die meisten draußen schlafen. Im Hintergrund hört man immer noch leise Lautenmusik und das Gluckern der Wasserpfeife. Tiefen-entspannend…

Irgendwann verschwinden auch die Köter ins Bett und stellen sich den Moskitos, vor denen Narvi uns schon gewarnt hat. Mal sehen, ob die in der Wüste wirklich so schlimm sind.

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