07.04-2016, Hitchhike Baby von Wadi Rum nach Eilat

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(Klobasaköter) Die Wüste ist ein traumhafter Ort. Ihren ganz besonderen Zauber entfaltet sie vor allem nachts. Der unglaubliche Sternenhimmel – den wir nicht hatten – und diese unbeschreibliche Ruhe – die wir auch nicht hatten. Immer wieder wurde sie unterbrochen von einem lauten, geradezu dröhnenden Surren. Ganz dicht an unseren Ohren vorbei. Im steilen Sinkflug, zum Angriff bereit auf alle freiliegenden Körperstellen. Mehrfach spürte ich den Windzug, wenn die Moskitos im Landeanflug an uns vorbei schwirrten. Die Mückenparanoia war allgegenwärtig. Der Welpe jaulte laut in seinem Wüstenkörbchen, während sich der Köter tief unter der Decke vergrub. Bis zum Sonnenaufgang fiel er letztlich aber doch in einen tiefen und geruhsamen Schlaf. Und eine signifikante Erhöhung meiner zuvor schon knapp 100 Stiche war auch nicht erkennbar.

Mit den ersten Sonnenstrahlen wanderte der Köter schließlich durch den kühlen Wüstensand. Hinüber zu den komfortablen und auf Touristen ausgelegten Toiletten. Von Gießkannen keine Spur.

Um 7 Uhr klingelte der Wecker schließlich auch den Welpen aus den Federn. Zumindest in der Theorie, denn in der Praxis ignorierte der kleine Welpe mal wieder alles, was seinen heiligen Schlaf einschränkt und versuchte geradezu subversiv einfach weiterzupennen. Der Köter aber ließ dem Welpen so etwas nicht durchgehen und schwupp wurde auch er aus seinem Körbchen gestoßen. Etwas benommen taumelte der Welpe schließlich die kleine, aber trügerische Düne zum Frühstücksplätzchen hinauf. Es sieht nicht so aus, aber so eine Düne im tiefen Wüstensand ist zermürbend.

Oben beim Frühstück warten bereits die US-Mädels. Sie hatten die Nacht unter freiem Himmel geschlafen. Unsere Tourbegleiterinnen wollten eigentlich auch den zweiten Tag im Wadi Rum verbringen, um auf eine ausgedehnte Hikingtour zu gehen. Die Hitze vom Vortag aber hatte ihnen offenbar allen Mut geraubt und sie sagten kurzerhand alle weiteren Aktivitäten in der Wüste ab. Nicht weil sie es nicht schön fanden, nein, sondern weil es ihnen körperlich zu anstrengend war.

Die beiden Köter können das allerdings nicht bestätigen.

Wobei uns Kötern die Planänderung schon ganz gut zu Pass kam, immerhin nannten die beiden Mädels einen großen, glänzenden SUV ihr eigen. Und damit einher ging die Hoffnung, knapp 35 angeblich unvermeidbare Euro Taxikosten zur Grenze irgendwie doch noch zu vermeiden.

Und tatsächlich, die Amerikanerinnen erklärten sich noch auf der Offroad-Jeeptour zurück ins Lager bereit, uns Köter zur großen Kreuzung am Desert Highway mitzunehmen. Also knapp 20 km, ehe sich der Weg gen Norden und Süden entzweite. Der klimatisierte SUV wollte von dort weiter nach Amman und die Köter südwärts nach Aqaba.

Es dauerte nicht lange und schon zogen wir am staubigen Straßenrand des Desert Highway unsere Rucksäcke aus dem Kofferraum und der wohl prolligste Wagen in ganz Jordanien verschwand in einer Staubwolke am Horizont.

Wir mussten unterdessen den Highway queren, um auf der richtigen Fahrbahnseite etwaige Busse gen Aqaba abpassen zu können. Das Überschreiten einer Autobahn verliert übrigens seine Bedrohlichkeit, wenn zuvor eine ganze Ziegenherde gemütlich hinüberschlendert.

Wir taten es den Tieren nach und standen alsbald bereit, die ersten Minibusse anzuhalten.

In Jordanien übrigens eine ganz alltägliche Art und Weise zu reisen.

Die ersten 20 Minuten aber passierte gar nichts. Kein Minibus machte Anstalten zu halten. Wir beschlossen schnell, einfach alle Fahrzeuge anzuwinken. Um überhaupt wegzukommen.

Doch plötzlich tauchte nur wenige Meter vor uns die jordanische Polizei auf. Im Schlepptau ein paar zur Kontrolle herangewunkene Jeeps.

Etwas ungünstig für uns, so dachten wir, denn diese Polizeiaktion versperrte unsere Sicht auf mögliche Mitfahrgelegenheiten ungemein. Dann aber winkte uns einer der Polizisten herbei.

Unglaublich aber wahr, er hatte uns gleich nach seiner Kontrolle einen Ride klargemacht. Sekunden später saßen wir auch schon im Jeep eines alten Mannes gen Aqaba. Für lau.

Alles in allem standen wir keine 30 Minuten am Straßenrand.

Unser Fahrer setzte uns am Ortseingang Aqaba ab. Ideal, um direkt weiter zur Grenze zu kommen. Circa 3 Minuten, nachdem wir an eben dieser nächsten Kreuzung dumm rumstanden, hielt auch schon das erste Taxi. Schnell einigten wir uns auf einen Preis – was nur heißen kann, dass ich immer noch viel zu viel gezahlt haben muss – und weiter ging es. Die Köter hatten einen Lauf. Perfekt eigentlich, denn unser Vorzugsplan war es, noch an diesem Donnerstag weiter nach Massada zu kommen, dort schnell die beeindruckende Festung anzuschauen und gegen Abend den Bus nach Jerusalem zu nehmen.

Auch die Grenzkontrollen auf jordanischer Seite gingen entspannt und schnell über die Bühne. Zu unserer Überraschung kassierte keiner die überall angemerkten Ausreisegebühren von knapp 25 Euro p.P., stattdessen war die einzig relevante Frage der Grenzer: Real oder Barca? Der Köter gab die richtige Antwort und wir durften Jordanien auf Wiedersehen sagen. Wir hatten eine schöne Zeit!

Das Köterglück sollte zunächst anhalten, denn es tauchte tatsächlich eine weitere Backpackerin auf, die wir sofort für eine Taxi-Kostenteilung zur Zentralen Busstation in Eilat gewinnen konnten.

Aber noch waren wir nicht in Israel. Und während der Köter wie immer herzlichst von den Israelis aufgenommen wurde und unverzüglich einreisen durfte, mussten die anderen Rucksackreisenden auf die Nachsitzbank und sich intensiveren Fragerunden stellen. Die Israelis wissen wohl, dass ich sie ziemlich oft verteidige, denn ich bekomme wirklich immer das besonders positive Special Treatment. Und obendrauf sogar nochmal ein neues 3-Monats-Visum.

Der kleine Welpe hingegen muss sich vielen, vielen Fragen stellen. So vielen Fragen, dass wir unser Vorhaben, Massada noch am gleichen Tag zu besuchen, so langsam ad acta legen konnten. Einzig positiv an dieser unschönen Verzögerung, es tauchte tatsächlich noch eine weitere Rucksacktourstin auf und die Taxikosten schrumpften ein weiteres Mal.

Irgendwann aber standen wir schließlich doch alle auf israelischem Boden. Und zwar alle vier. Samt neuen Visa.

Nur Taxis gab es hier keine.

Zum Glück aber gibt es die moderne Technik! Eine unsere Mitreisenden präsentierte daraufhin die geniale Reiseapp „Gett“. Das ist DER neue Geheimtipp. Via App wurde schließlich nicht nur ein günstiges Taxi geordert, wir vier konnten auch noch live auf einer Karte mitverfolgen, wie unser Taxi 11 Minuten lang seinen Weg zu uns suchte. GETT ist DAS neue Must-Have auf Reisen. Die Köter machen den Trend jetzt auch mit. Der nächste Internetkontakt wurde sofort zum Download genutzt.

An der Zentralen Busstation trennten sich schließlich unsere Wege wieder. Die Mädels wollten weiter nach Tel Aviv und wir entschieden uns spontan für eine weitere Nacht in Eilat. Das Hostel kannten wir ja schon und es entsprach preislich unseren Möglichkeiten. Positiv, wir konnten uns so vorzeitig unsere Bustickets für den nächsten Morgen sichern und damit das Risiko eventuell wieder 4 Stunden auf freie Plätze wartend rumzusitzen entschärfen. Anschließend ging es noch eine Kleinigkeit essen und Proviant für die weitere Reise einkaufen.

Am späten Nachmittag lud uns schließlich der gleiche Hostelmitarbeiter, der uns noch vor einer Woche kostenlos zur Grenze gefahren hatte, ein, mit ihm eine kurze Schwimm-/Schnorchelsession im Roten Meer einzulegen. Begeistert nahmen die Köter an. Auch wenn es nur eine knappe halbe Stunde sein sollte, Equipment und Transfer gab es gratis und das Wasser war eine wundervolle Erfrischung. Ein paar kleinere Korallenbänke gab es auch zu erkunden und der Welpe hatte eine kleine Wiedergutmachung für seine Tauchenttäuschung aus Aqaba. Das Abtauchen hier war allerdings aufgrund der Strömung gar nicht so einfach. Immer wenn der Köter etwas tiefer an die Korallen heran wollte, wurde er sofort wieder an der Oberfläche getragen. Auch das Wasser war an diesem Nachmittag leider nicht ganz so klar wie noch drei Tage zuvor. Eine angenehme Abkühlung von den fast 40 Grad Außentemperatur aber war der kurze Schwimm-Trip allemal.

Zurück im Hostel nahmen wir noch eine lange Weile auf der Terrasse Platz, gönnten uns eine eiskalte Cola und genossen den Ausblick auf das nahe Akaba in der Abendsonne. Auch um 20 Uhr hatten wir noch traumhafte 33 Grad und das Berichteschreiben fällt leicht bei so wundervollen Bedingungen. Unser Leben könnte definitiv schlechter sein…

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